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Mit Cowboystiefeln ins Nirvana: Douwe Bob im Gespräch zu „Outcast Town“

Douwe Bob
Douwe Bob (Foto: Richard Stark)

Dem niederländische Star Douwe Bob steht Country so gut wie Rock’n’Roll. Er kann aber auch Buddhismus. kulturnews hat den 33-Jährigen getroffen.

Douwe, ich sehe, du hast Cowboystiefel an. Dabei identifizierst du dich gar nicht primär als Country-Musiker, richtig?

Douwe Bob: Irgendwo mache ich schon Country, aber ich bin halt ein europäischer Junge. Ich liebe Amsterdam, ich liebe Berlin, ich tanze keinen Line-Dance und schwinge kein Lasso. Meine Musik würde ich eher als Folk bezeichnen.

Folk mit dem Beiklang von Volksmusik, also Musik für die Massen?

Douwe Bob: Genau.

„Outcast Town“ von Douwe Bob: Country ohne Lasso

Dein neues Album trägt den Titel „Outcast Town“. Siehst du dich selbst als Außenseiter? Oder sind wir alle welche?

Douwe Bob: Ich bin auf jeden Fall als Außenseiter aufgewachsen. Als Kind war ich nicht Teil der Gruppe. Aber mir geht es auch darum, wie wir heutzutage allesamt von den Mächtigen zu Außenseitern gemacht werden. Unsere Regierungen verarschen uns. Die politischen Systeme, die Kriege – wir sind nicht Teil davon, und wollen es auch gar nicht sein. It’s a big club, and we ain’t in it.

Deine schwierige Kindheit, insbesondere die Beziehung zu deinem Vater, ist ja auch ein Thema des Albums. In „Photographs“ singst du darüber, dass er seine Enkel:innen nie kennenlernen wird …

Douwe Bob: Ja, er hat sich zu Tode getrunken. Ich hätte mich dagegen entscheiden können, diesen Song zu schreiben, aber damit hätte ich allem widersprochen, woran ich glaube und wofür ich als Songwriter stehe. Mir ist egal, was die Menschen über mich denken. Ich habe drei Kinder, was interessieren mich die Erwartungen anderer Leute? (lacht) Mir ist nur wichtig, ob meine Kinder nach links und rechts schauen, bevor sie die Straße überqueren.

Was denken deine Kinder über den Song?

Douwe Bob: Sie sind noch zu klein, um die Texte zu verstehen – vor allem auf Englisch. Aber ich kann mich mit solchen Fragen auch nicht aufhalten. Wenn ich so weit in die Zukunft sehen würde, hätte ich keine Tattoos. Vielleicht sterben wir ja morgen! Dieses Gebäude könnte einstürzen! Warum nicht? So was passiert dauernd irgendwo auf der Welt.

Klingt für mich nach Rock’n’Roll-Attitüde.

Douwe Bob: Kann sein. Mir ist jedenfalls bewusst, dass das Ende immer nah ist. Und wenn es tatsächlich so kommt, war ich zumindest ehrlich. Es gibt eine ganze Philosophie, die sich damit beschäftigt: Buddhismus. Ich bin zwar kein Buddhist, aber ich bin sehr dafür, im Moment zu leben. Achtsamkeit ist wichtig, auch wenn es nicht immer einfach ist.

Du selbst hast vor Jahren mit dem Trinken aufgehört und singst in „Bob – Wanna be free“ über deine Entscheidung, Verantwortung zu übernehmen.

Douwe Bob: Manchmal fällt es mir schwer, nicht zu trinken. Aber ich habe ein wunderschönes Leben, ich habe eine Frau, Kinder, eine Karriere, ich fahre ein verdammt großes, teures Auto. (lacht) Es gibt nichts, das mir wirklich schaden kann. Warum sollte ich also trinken? Aber ich habe Freunde, die wirklich schwere Leben haben. Wenn ich nur ein bisschen weniger Glück gehabt hätte, dann würde es mir heute genau so gehen: in Bars auftreten, von Tag zu Tag gerade so überleben. Natürlich hören die nicht auf zu trinken! Mein Privileg ist, dass ich viel habe, wofür es sich zu leben lohnt.

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