„Ich will alles – Hildegard Knef“: Die Sünderin im Kino

Der Dokumentarfilm „Ich will alles – Hildegard Knef“ ist viel mehr als nur ein Porträt des Film- und Chansonstars. Der Film, der jetzt in die Kinos kommt, ist auch eine Bestandsaufnahme der frühen Bundesrepublik.
Regisseurin Luzia Schmid hat mit dem Dokumentarfilm „Ich will alles – Hildegard Knef“ das spannende Porträt des Stars der frühen Bundesrepublik gedreht. Knefs Reibung an und mit der damaligen Gesellschaft, ihrer Medien und ihrer Fans, ist in jeder Sekunde des Films präsent und machen diesen spannend.
„Ich erkannte in Hildegard Knef so etwas wie die ,Patientin Null‘ eines Lebens in der Öffentlichkeit. Sie gab viel preis von sich und musste viel einstecken. Trotzdem versuchte sie ihr ganzes Leben lang die Deutungshoheit ihrer Geschichte in der Öffentlichkeit zu behalten“, sagt Luzia Schmid. Es sind nur zwei Personen, die die Regisseurin extra für ihre Dokumentation „Ich will alles – Hildegard Knef“ interviewt hat: Hildegard Knefs Tochter Christina Palastanga erzählt einfühlsam und manchmal abgrenzend vom oft schwierigen Mutter-Tochter-Verhältnis, und Knefs dritter Ehemann, Paul von Schell, von Knefs späten Jahren und durchaus auch von ihren Fehlern.
Den Rest erledigt die Schauspielerin („Die Mörder sind unter uns“, „Die Sünderin“), Chansonsängerin und Autorin auch postum noch bestens selbst: In so offenen wie eloquenten und klugen Interviews und in von Nina Kunzendorf gelesenen Textpassagen aus Knefs Büchern, die sie wie ihre Chansons natürlich selbst geschrieben hatte. „Ich will alles – Hildegard Knef“ ist die mitreißende Dokumentation einer früh emporstrebenden Frau in einem Nachkriegsdeutschland, dessen Öffentlichkeit keine Gnade mit weiblichem Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen kannte. So ist der Film nicht nur eine Dokumentation über den Star, sondern auch ein sehr kritisches Sittengemälde der Bundesrepublik. Pünktlich zum Film gibt es auch die Lieder der Chansonniére wieder: „Hildegard Knef – Musik aus einem Leben“ heißt das Album.