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Internationaler Literaturpreis 2021 für „Die jüngste Tochter“

Fatima Daas Internationaler Literaturpreis 2021
Foto: JOEL SAGET/AFP via Getty Images

Für den Roman „Die jüngste Tochter“ haben die Autorin Fatima Daas und die Übersetzerin Sina de Malafosse den Internationalen Literaturpreis für übersetzte Gegenwartsliteraturen erhalten. Verliehen wurde der Preis gestern Abend, am 30. Juni zum 13. Mal vom Haus der Kulturen der Welt und der Stiftung Elementarteilchen. Der mit 20 000 Euro für die Autorin und 15 000 Euro für die Übersetzerin dotierte Preis würdigt damit herausragende internationale Literatur sowie die gute Zusammenarbeit zwischen Autor*in und Übersetzer*in. Alle Nominierten der Shortlist erhalten 1 000 Euro.

Zur diesjährigen Jury gehören Robin Detje, Heike Geißler, Michael Götting, Dominique Haensell, Verena Lueken, Annika Reich und Elisabeth Ruge. Aus ihrer Begründung heißt es: „Jedes Wort dieses autofiktionalen Romandebüts zeugt von der Unerschrockenheit und verletzlichen Offenheit der Erzählerin, die als Tochter algerischer Einwanderer in Clichy-sous-Bois aufwachst. Der Roman schildert die Suche nach einer Identität, in der eine junge Frau dem Islam näherkommen und sich von sexuellen Rollenzuschreibungen losen kann, ohne das eine gegen das andere verteidigen zu müssen. Fatima Daas Worte sind so prazise und kraftvoll gesetzt, weil sie weiß, dass sie ihrer Worte bedarf, um eine Welt zu entwerfen, in der sie leben will. Und sie erzählt von dieser Welt unerhört zeitgemäß und in aller Selbstverständlichkeit und Spannbreite auf Traditionen der arabischsprachigen Literaturen bezogen. Die Rhythmik, die Wiederholungen, die magischen Aufladungen einzelner Worte lasst die Surenstruktur des Korans, arabische Gegenwartslyrik und Rap anklingen. Sina de Malafosse schafft es, in ihrer Übersetzung Präzision und Sprachspiel zu gleichen Teilen zu bewahren, mehr noch, sie erlaubt einen einmaligen Einblick in die Heteroglossie eines lebendigen Französisch, sie lasst Worte in ihrer Vieldeutigkeit funkeln, ohne dass sich ihr Sinn in endlosem Spiel verlöre, ohne dass der Erzählerin je die Kontrolle entzogen wurde, über all das, was sie sagen will.“

Auch der Intendant des Hauses der Kulturen der Welt, Bernd Scherer, äußert sich zur Bedeutung des Literaturpreises: „Beim diesjährigen Internationalen Literaturpreis feiern wir die Literatur als einen Ort, an dem das Leben in seinen Ambivalenzen, Widersprüchen und Grauzonen erfahrbar wird. Gerade in Zeiten, die durch den Megatrend der digitalen Logik des Binaren geprägt sind, benötigen wir dringend diese Orte, die im Zwischenbereich von 0 und 1 angesiedelt sind.“

Mehr über den Roman „Die jüngste Tochter“ von Fatima Daas  gibt es auch in unserer Rezension auf kulturnews zu lesen.

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