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Isabel Bogdan: Der Pfau

Ein Pfau dreht durch und geht plötzlich auf alles los, was blau ist. Vielleicht wären Lord und Lady McIntosh mit der hormonellen Verirrung des Tieres noch irgendwie klargekommen, doch hat sich eine Bankertruppe aus London in ihr Herrenhaus in den schottischen Highlands eingemietet – und deren resolute Chefin fährt ausgerechnet einen blauen Wagen … Inzwischen dürfte sich wohl rumgesprochen haben, dass die Hamburger Übersetzerin Isabel Bogdan mit „Der Pfau“ einen der besten Debütromane des Frühjahrs vorgelegt hat. Nur stellte sich damit eben auch die Frage, welcher Sprecher denn Bogdans feinem Gespür für britischen Humor gewachsen ist, um die fällige Hörbuchfassung einzulesen. Christoph Maria Herbst drängt sich eigentlich nicht gerade als Idealbesetzung auf, wenn es um einen Text geht, der nicht nur auf direkte Rede, sondern auch komplett auf Effekthascherei und Anbiederung verzichtet. „Ich komme ja ganz stark vom Dialog, wo ich den Figuren dann gerne Erkennungsmerkmale verpasse, Eigenarten“, gesteht er auch selbst ein. Doch der „Stromberg“-Darsteller bleibt ein bisschen auf Abstand – und tatsächlich seht ihm britische Distinguiertheit extrem gut. „Ich hatte eine Menge Spaß daran, durch kleinere Tempowechsel oder dezente Modulationen eine Welt zu kreieren“, schwärmt er von der Produktion außerhalb seiner Komfortzone. Warum „Der Pfau“ damit auch zu den derzeit besten Hörbüchern zählt, kann nur er selbst als Bernd Stromberg noch besser erklären: „Unter Druck bin ich unschlagbar, wie Lassie – eigentlich ein Fiffi, aber wenn’s eng wird Kampfhund.“

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