FILM

Lebensentwürfe in Zeiten von Aids

Die britische Serie „It’s A Sin“ auf Starzplay zeigt eine Gruppe schwuler junger Menschen in London während der 1980er- Jahre. Ritchie kommt von der Isle of Wight zum Jurastudium nach London, wechselt aber schon nach einem Semester ins Schauspielfach. Colin aus dem Süden von Wales macht eine Lehre zum Herrenschneider, Roscoe, dessen homphobe Familie aus Nigeria stammt, haut von zu Hause ab und entwickelt sich zum Manager eines Klubs. Gemeinsam mit Ash und Jill, der besten Freundin des Quartetts, beziehen sie eine WG, die sie Pink Palace nennen. Gegen Ende der ersten Folge der Serie sieht man sie in Gesprächen darüber reden, wo sie sich in fünf bis zehn Jahren sehen: Freudenstrahlen und voller Hoffnung entwickeln sie ihre Zukunftspläne.

Doch es ist 1981, Gesellschaft wie Politik in England sind reaktionär. Aus den USA kommen die ersten Meldungen über eine todbrindende Grippe, die vor allem Schwule befalle. Zunächst wird der liebevoll gefilmte Aufbruch des Quintetts nur marginal gestört, doch vor allem Colin trifft es sofort hart: Sein schwuler Arbeitskollege Henry Coltrane (wunderbar gespielt von Neil Patrick Harris) durchschaute Colin schon am ersten Tag und half ihm, sich in London zu outen und ein immer befreiteres Leben zu führen. Doch jetzt erkranken zuerst Henrys Lebensgefährte und dann Henry selbst. Die Szenen im Krankenhaus vor und nach dem Tod Henrys sind neben den vielen intensiv gefilmten Partyszenen die sensible Gegenseite dieser Erzählung. Noch immer hat die Krankheit keinen Namen, wo doch Aufmerksamkeit durch Benennung die wichtigste Voraussetzung ist, um sich mit einer Tatsache auseinandersetzen zu können.

Davon handeln die nächsten Folgen der von Peter Hoar ganz unterschiedlich und doch als Einheit in Szene gesetzten Serie. Das Drehbuch schrieb Russell T Davies, der auch schon die Bücher für die wunderbare Serie „Years and Years“ sowie „A Very English Scandal“ geschrieben hatte. Davies ist dafür bekannt, Serien zwar linear, aber mit kürzeren und auch längeren Unterbrechungen zu kreieren. So spielt „It’s A Sin“ von 1981 bis 1991. Schon „Years and Years“, in einer leichten Zukunft angesiedelt, macht Zeitsprünge um Jahre, und „A Very English Scandal“ spielt in den späten 1960ern sowie in den 1970ern. Alle Serien sind für ihren realistischen Blick auf Gesellschaft und Individuum bekannt und gelobt. jw

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