„It’s never over, Jeff Buckley“: Das intime Porträt eins Künstlers
Das ist eine ganz besondere Dokumentation, eine Liebeserklägung: Im Kino startet der Film „It’s never over, Jeff Buckley“ von Amy Berg.
Für Aimee Mann ist er der beste Sänger aller Zeiten, er hat David Bowie und Bob Dylan beeindruckt und Thom Yorke inspiriert, im Falsett zu singen: In einem kurzen, nur 30 Jahre währenden Leben hat Jeff Buckley deutliche Spuren in der Musiklandschaft hinterlassen. „It’s never over, Jeff Buckley“ läuft jetzt im Kino.
Umso beeindruckender, weil Jeff Buckley mit „Grace“ nur ein Album veröffentlicht hat und sein bekanntester Song bis heute ein Cover ist: die extrem emotionale, von seiner Gänsehaut-Stimme getragene Version von Leonard Cohens „Hallelujah“. Doch „It’s never over, Jeff Buckley“ geht über die Eckdaten hinaus: Nur kurz werden am Anfang die überschwänglichen Lobeshymnen anderer Musiker:innen angeschnitten, für den Rest des Films beschränkt sich Regisseurin Amy Berg auf eine Handvoll Menschen, die besonders engen Kontakt zu Buckley hatten, darunter seine Mutter Mary Guibert, seine erste große Liebe Rebecca Moore sowie Joan Wasser, besser bekannt als Joan As Police Woman, mit der Buckley in den letzten Jahren seines Lebens zusammen war. Die richtige Entscheidung, denn sie rettet die Dokumentation davor, zu einer Litanei aus Beweihräucherungen zu verkommen – immerhin steht Buckleys Bedeutung für die Musikwelt außer Frage. Stattdessen malt Berg ein intimes Porträt des Künstlers, unterstützt von skizzenhaften Animationen. Besonders bewegend sind Momente zum Ende des Films, wenn den Überlebenden wiederholt die Tränen kommen oder seine Mutter die letzte Nachricht vorspielt, die ihr Buckley auf dem Anrufbeantworter hinterlassen hat. Die Kehrseite dieses Ansatzes ist, dass die Musik vor allem für Leute, die keine Hardcore-Fans sind, fast zu kurz kommt – so bleibt etwas vage, worin die musikalische Magie des Jeff Buckley am Ende bestanden hat, von der unverkennbaren Stimme einmal abgesehen. Aber Mann, was für eine Stimme!