Jacob Karlzon: Steinway statt Ferrari
Der schwedische Pianist Jacob Karlzon hat schon viele seiner Träume verwirklicht. Doch ein etwas ungewöhnlicher Wunsch ist noch offen …

Jacob, dein neues Trio-Album heißt „Open Waters“. Das ist schon ein skandinavisches Klischee, oder? Riesige Wälder, endlose Seen …
Jacob Karlzon: Der Albumtitel hat für mich nichts mit Skandinavien zu tun. Er bezieht sich er darauf, dass es keinen Kontext mehr gibt, wenn man sich gänzlich auf offenen Gewässern befindet. Auf den großen Ozeanen sieht man keine Grenzen. Man denkt anders über die Dinge.
Wie kommt’s, dass du wieder mit einer neuen Besetzung spielst?
Karlzon: Ich war lange Jahre mit derselben Band unterwegs. Es gibt ja im Jazz diese Vorstellung von dem telepathisch agierenden Trio, das Jahrzehnte zusammenspielt. So ähnlich war es auch bei uns, aber bei der Musik der letzten vier Platten ging es jeweils um ein ganz eigenes musikalisches Universum. Und es ging darum, für jeden besonderen Anlass die richtigen Player zu finden.
Du warst nie nur dafür bekannt, akustisches Piano zu spielen. Synthesizer waren dir immer wichtig, und das hört man auch auf dem neuen Album.
Karlzon: Wenn es nur eine Sache gäbe, die ich mir wünschen könnte, dann wären es zwei weitere Arme. Es ist ein Alptraum, mit so viel Equipment zu jonglieren. Ich steuere live viel mit Pedalen, um die Hände frei zu haben. Aber jetzt läuft es etwas organischer. Ich entwickele neue Ideen immer auch von einem logistischen Standpunkt her. Das ist eine ständige Herausforderung – und das mag ich.
Die Möglichkeiten mit einem Laptop sind heute unendlich.
Karlzon: So ist es. Deshalb ist es schön, auch mit alten analogen Synthesizern zu arbeiten, die eine Weile brauchen, um warm zu werden. Die verstimmen sich auch! Aber ich liebe das Klavier noch immer, spiele auch viele Solokonzerte. Die Beziehung zu meinem Steinway ist wirklich eng, es ist immer noch mit Abstand mein liebstes Instrument. Manch kleiner Junge träumt von einem Ferrari, ich habe von einem Steinway geträumt. Und jetzt steht so einer in meiner Wohnung.
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