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Jetzt auf DVD: Fassbinder-Biopic „Enfant terrible“

enfant terrible

Auch, wenn man von der kinolähmenden Pandemie absieht, ist der deutsche Film vielen kritischen Stimmen seit langem zu brav. Wir brauchen, so heißt es, wieder kompromisslose Regisseur*innen wie Rainer Werner Fassbinder. Dessen kurzem, lauten und grellen Leben hat Oskar Roehler mit „Enfant terrible“ ein nicht kurzes (der Film dauert über zwei Stunden), aber dafür grelles und lautes Denkmal gesetzt.

Am lautesten ist Oliver Masucci als Kette rauchender, schlafloser, immer unglücklich verliebter Fassbinder. Er spielt mit vollem Körpereinsatz und verschwindet komplett in seiner Rolle. Das reißt mit, bedeutet aber auch, dass andere Figuren zeitweise daneben verblassen. Eine große Ausnahme: Hary Prinz, der Fassbinders Weggefährten Kurt Raab mit ähnlicher Intensität spielt wie Masucci den Regisseur. Ihre Beziehung ist, wie eigentlich alle, die es in „Enfant terrible“ zu sehen gibt, dabei alles andere als harmonisch. Es ist kein Zufall, dass Roehler dem Film das folgende Wilde-Zitat vorangestellt hat: „Each Man kills the Thing he loves.“

Während dieser Ansatz den atemlosen Alltag Fassbinders hervorragend zum Leben erweckt, bleibt eine Frage unbeantwortet: Was genau zwingt den Getriebenen dazu, pausenlos Filme zu drehen? Was bedeutet die Kunst für ihn überhaupt? Die blaurot pulsierenden Bilder und die bewusst kulissenhafte Ausstattung retten den Film vor Biopic-Klischees, doch in Fassbinders ruhelosen Kopf schaffen wir – und Roehler – es nicht.

„Enfant terrible“ erscheint am 12. März auf DVD und BluRay.

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