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John Irving – Straße der Wunder

„Straße der Wunder“ ist nicht nur ein extrem lustiges, sondern auch John Irvings bisher traurigstes Buch.

In John Irvings neuem Roman tauchen Geister auf, und die Heilige Jungfrau greift immer wieder in die Handlung ein, indem sie etwa haselnussgroße Tränen über das traurige Schicksal des Protagonisten vergießt, aber auch für den Tod von dessen Mutter verantwortlich ist. Zwar würde man „Straße der Wunder“ eher beim magischen Realismus neben den Romanen von Carlos Ruiz Zafón oder Salman Rushdie als in der einschlägigen Fantasy-Ecke einsortieren, doch ist das auch gar nicht das Hauptproblem von Irving-Fans, die den mittlerweile 73-jährigen US-Schriftsteller eher wegen der in jedem Roman wiederkehrenden Motive verteidigen müssen. Natürlich hat man das absurde Außenseiterspektakel schon oft ganz ähnlich bei ihm gelesen – doch Irving greift diese Tendenz nicht nur ironisch auf und spielt mit ihr: Der Roman ist ein Bilanzieren, denn in dem herzkranken Erfolgsautoren Juan Diego arbeitet Irving seine Ängste vor dem nahenden Tod ab. Und so zählt „Straße der Wunder“ nicht nur ein extrem lustiges, es ist auch sein bislang traurigstes Buch.

John Irving Straße der Wunder
Diogenes, 2016, 784 S.; 26 Euro
Aus d. Engl. v. Hans M. Herzog