John Vanderslice

Auf der Nada-Surf-Tour im vergangenen Jahr stellte sich einer der besten US-Songwriter erstmals in Deutschland vor. Mit seinem aktuellen Album „Pixel Revolt“ kehrt John Vanderslice jetzt im Vorprogramm von Death Cab For Cutie zurück. citymag sprach mit ihm über seine größte Leidenschaft neben der Musik.

citymag: John, auf deinem neuen Album singst du neben vielen politischen Songs auch sehr persönliche Texte. Gleichzeitig hasst du es aber, wenn dich jemand auf deine Musik anspricht.

John Vanderslice: Ganz im Gegenteil, ich liebe persönliche Gespräche. Auch Interviews sind großartig, wenn es persönliche Gespräche sind. Wenn ich aber in einem Raum voller Menschen bin, und sie fragen mich nach der Tour, einer Show oder irgendwelchen Insidergeschichten über Bands, dann habe ich daran kein Interesse. Ich mag es auch nicht, wenn ich nach Songtexten gefragt werde. Das liegt einfach daran, dass Songs zu schreiben für mich etwas Banales ist. Ich mache das jeden Tag, und es ist kein anderes Gefühl, als würde ich einkaufen gehen. Dieser ganze Prozess ist so unsexy, er dauert lange und ist eine unglaubliche Quälerei.

citymag: Warum läufst du denn ständig mit einer Kamera rum, wenn du auf Tour bist?

Vanderslice: Es relativiert die Probleme, die das viele Reisen mit sich bringt. Ich fotografiere, um die Erfahrungen einer Tour zu dokumentieren. Auf Tour kannst du nicht viel wahrnehmen, alles passiert einfach. Wenn ich dann nach Hause komme und die Fotos entwickle, bekommen all die Erlebnisse ihre angemessene Erinnerung.

citymag: Fotografierst du auch die anderen Musiker, mit denen du auf Tour bist?

Vanderslice: Ich mache niemals Fotos, wenn die Bands auf der Bühne stehen. Wenn sie auf der Bühne stehen oder für einen Fotografen posieren, verhalten sie sich unnatürlich und reproduzieren ein Image. Ich möchte die einzelnen Bandmitglieder so fotografieren, wie sie gewöhnlich aussehen.

citymag: Bittest du die anderen auch darum, dass sie Fotos von dir machen?

Vanderslice: Bloß nicht, es gibt schon so viele Fotos von mir, da muss ich nicht noch selbst welche hinzufügen. Wenn ich mein Gesicht sehen will, dann muss ich ja nur in den Spiegel schauen. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum ich in Interviews nicht so gern nur über mich und meine Musik spreche.

Interview: Carsten Schrader

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