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Julia Ducournau: „Es geht darum, eine alte Haut abzustreifen“

Regisseurin Julia Ducournau (Foto links) bringt mit dem Drama „Alpha“ eine an die Nieren gehende Dystopie in die Kinos.
Regisseurin Julia Ducournau (Foto links) bringt mit dem Drama „Alpha“ eine an die Nieren gehende Dystopie in die Kinos. (Foto: © MANDARIN & COMPAGNIE KALLOUCHE CINEMA FRAKAS PRODUCTIONS FRANCE 3 CINEMA)

Die Regisseurin Julia Ducournau hat keine Angst vor Extremen. Ihre Filme sind körperlich, radikal und emotional kompromisslos – und gerade deshalb immer wieder Anlass für heftige Reaktionen. Doch hinter der Provokation steckt der Versuch, sich selbst und die eigenen Obsessionen immer weiter auszuloten. Jetzt kommt ihr Film „Alpha“ in die Kinos. kulturnews sprach mit der Regisseurin.

Julia Ducournau, Wie haben Sie das Publikum im Hinblick auf Ihren Film „Alpha“ erlebt?
Julia Ducournau: Sehr wohlwollend, interessiert und konzentriert. Spannend ist die Mischung: Jüngere stellen oft sehr präzise, technische Fragen, während sich ältere Zuschauer stärker für Themen und emotionale Aspekte interessieren.

Es heißt oft, der zweite Film sei der schwierigste. Wie ist es beim dritten?
Ducournau: Mir wurde bei jedem Film gesagt, der nächste sei der schwierigste. Ich blende das aus. Filmemachen ist für mich ein kontinuierlicher Prozess. Ich versuche, immer tiefer in meine eigenen Obsessionen einzutauchen und mich selbst zu überraschen. Nichts Gutes entsteht daraus, Erfolgsrezepte zu wiederholen. Der einzige echte Druck kommt von mir selbst.

Ihre Filme polarisieren stark. Ist das ein Ziel?
Ducournau: Nein. Aber ich glaube nicht, dass man etwas Echtes schaffen kann, wenn man es allen recht machen will. Dass meine Filme polarisieren, bedeutet, dass sie Diskussionen auslösen. Genau das ist mein Ziel: dass Menschen darüber sprechen und ihre eigenen Interpretationen entwickeln.

Julia Ducournau: „Mutter und Tochter und die Frage der Ablösung“

Muss man einen Film vollständig verstehen?
Ducournau: Nein. Kunst ist nicht dazu da, Antworten zu geben. Sie soll Fragen stellen. Interpretation ist der Schlüssel – jede ist wertvoll.

Worum geht es in „Alpha“?
Ducournau: Um die Beziehung zwischen Mutter und Tochter und die Frage der Ablösung. Das ist eine der schwierigsten Fragen überhaupt: Wer bist du, wenn du dich von deiner Mutter löst? Die Geschichte wird aus der Perspektive der Tochter erzählt, die an einem Wendepunkt steht. Coming of Age kann in jedem Alter passieren – es geht darum, eine alte Haut abzustreifen.

Wie entsteht ein Film bei Ihnen?
Ducournau: Nicht aus einer einzelnen Idee. Es ist eher ein Netzwerk aus Bildern, Emotionen und Wünschen. Man verbindet Punkte, bis sich etwas ergibt. Wichtig ist, sich auch in Unsicherheit zu begeben. Wenn man sich wiederholt, entsteht nichts Neues.

Wie haben Sie die intensive Umarmungsszene inszeniert?
Ducournau: Mit möglichst wenig Ablenkung und viel Zeit. Ich habe die Kamera laufen lassen und nicht sofort „Cut“ gesagt. So konnten die Schauspieler wirklich in den Moment finden. Zeit ist dabei entscheidend.

Interview: Antje Wessels

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