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Kein Ende in Sicht: Sleaford Mods über „The Demise of Planet X“

Sleaford Mods
Sleaford Mods (Foto: Nick Waplington)

Auch auf seinem 13. Album schaut das Postpunk-Duo Sleaford Mods wieder in aktuelle Abgründe. Sänger Jason Williamson erklärt, wie er dabei nicht zum Zyniker wird.

Jason, euer letztes Album „UK Grim“ ist vor zwei Jahren erschienen. Damals wirkte alles schon sehr düster, aber irgendwie geht es immer noch mal eine Umdrehung krasser, oder?

Jason Williamson: Es ist alles ziemlich schrecklich. Als wir gerade im Endspurt mit „UK Grim“ waren, ist Russland in der Ukraine einmarschiert. Dann kamen der 7. Oktober und alles, was er nach sich gezogen hat. In unserem Land ist der Nationalismus noch stärker geworden: Wenn ich eine Meile mit dem Auto fahre, sind die Masten der Straßenlampen voller Englandflaggen. Sagen wir mal so: Es ist uns nicht schwergefallen, Themen für ein neues Album zu finden.

Wie habt ihr dann konkret eine Auswahl getroffen, auf welche Schrecken ihr euch konzentriert?

Williamson: Ich habe gerade gesagt, dass es nicht schwer war, aber das war es doch. Wie setzt man sich mit allem auseinander, ohne ignorant, gefühllos oder naiv zu klingen – gerade, wenn es um Palästina geht? Aber ich glaube, am Ende habe ich einen ganz guten Weg gefunden, und einfach angefangen, zu schreiben.

Ein Thema, das auf dem Album immer wieder aufkommt, ist die Spannung zwischen einer Welt, in der alles schlechter wird, und einem Privat- und Künstlerleben, das eigentlich echt gut läuft – zum Beispiel im Song „The good Life“. 

Williamson: Ich habe schon immer versucht, ehrlich zu sein, was meine eigene Situation angeht, vor allem, wenn die Texte politisch sind. Trotzdem hat es mich eine Zeit lang ganz schön fertig gemacht. Manchmal tut es das immer noch – aber zum Glück nicht mehr so sehr.

Im letzten Song „The Unwrap“ geht es um den Zwang, alles online zu bestellen. Das könnte wie das Genörgel eines Außenstehenden wirken, wenn du dich nicht selbst explizit mit einbeziehen würdest.

Williamson: Der Song ist auf jeden Fall eine Selbstanalyse. Nachdem alles andere auf dem Album gesagt worden ist, muss man sich der Wahrheit stellen, dass es am Ende auf Konsum hinausläuft: Ich bestelle Sachen im Internet, während ich auf dem Sofa sitze. Alles andere ist eine Fantasie. Ich glaube nicht, dass man online wirklich etwas bewirken kann. Letztlich treffen immer dieselben Leute die Entscheidungen, und an die kommst du nicht heran. Es geht um dieses Gefühl der Machtlosigkeit.

Aber macht ihr nicht auch irgendwie Musik, um etwas zu verändern? Wie schafft ihr es, nicht zynisch zu werden?

Williamson: Wenn du zu zynisch wirst, machst du keine Musik – dann machst du gar nichts mehr. Ich glaube, das Leben ist dazu da, ertragen zu werden. (lacht) Natürlich auch, um genossen zu werden, aber durch weite Strecken quälst du dich eher durch. Wenn es anders wäre, hätte es keinen Sinn. Für mich steckt darin auch Positivität, Wärme, Schönheit. Leute kritisieren nur zu gern andere, weil sie die Dinge nicht absolut so machen, wie sie sich das vorstellen. Aber ich habe schon immer gefragt: Was kommt nach der Harmonie, nach der Utopie, nach der Gerechtigkeit? Für mich fühlt es sich unlogisch an, darauf zu hoffen, dass das Chaos irgendwann endet. Es geht einfach immer weiter.

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