MUSIK

King Hannah spielen intimen, kühlen Noir-Folk

King Hannah
Foto: Lucy Maclachlan

Die Sonne ist fast untergegangen, die Schatten sind lang. In einem weiten Raum aus schwelender Elektronik und dezentem Fingerpicking lodern punktuell die Stahlsaiten einer Gitarre auf. Der Sound von King Hannah lebt von diesem Gefälle zwischen nah und fern, schwelgerisch und intim: Denn so prachtvoll und düster die Tracks auf der Debüt-EP des Duos aus Liverpool auch klingen, so intim sind die Geschichten, die Songwriterin Hannah Merrick darin erzählt.

Doch heißt intim noch lange nicht offenbarend, der Titel ihrer EP „Tell me your Mind and I’ll tell you mine“ (City Slang) ist tonangebend – Merrick gibt nichts preis. Wenn sie in „Meal Deal“ etwa von einer Wohnungssuche erzählt, Spinnen und dem verschenkten Platz in der Dusche erwähnt, deutet sie nur an, was das bedeutet. Den emotionalen Gehalt lässt die andere Hälfte von King Hannah, Craig Whittle, als schattenhaften Subtext in der Soundcollage auftauchen, die er um Merrick herum aufbaut. Mit dem, was man beim Hören in diesen Schatten entdeckt, lassen King Hannah einen alleine – und deshalb sind Streifzüge durch die weite, düstere Welt dieser sechs Songs so belohnend.