KUNST

Körper.Gefühl – Maria Lassnig aus der Sammlung Klewan

Maria Lassnig
Maria Lassnig, Selbstporträt mit Ordenskette, 1962, Öl auf Leinwand, Sammlung Klewan© Maria Lassnig Foundation/ VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Der Körper ist ja auch bloß der verlängerte Arm der Seele. Man könnte ihn ebenso pathetisch als fleischgewordene Empfindung bezeichnen. Um sich etwas von der Seele zu malen, bräuchte man den Körper einfach auf die Leinwand zu legen. Tatsächlich legte sich Maria Lassnig zum Malen gerne auf die Bildfläche. Die Augen hielt sie dabei verschlossen, denn um zu fühlen. was in einem ist, braucht es den Blick nach außen nicht. Lassnig nannte ihren künstlerischen Ausdruck „Körperbewusstseinsbilder“ – das trifft es ziemlich gut. Sich etwas bewusst zu werden galt schon immer als Leitmotiv der Kunst.

Mehr jedoch in der Nachkriegszeit, der Postmoderne, in der es galt, jedes Vorhaben und Gedankengut kritisch zu hinterfragen. Sich aus purem Prinzip auf eine Form festzulegen, ja sich einheitlich darin festschreiben zu lassen erschien totalitär. Das Ergebnis dieser neuen Haltung war die Stilrichtung des Informel. Eine Kunst, die sich jeder Gleichförmigkeit enthielt, sich von ihr in abstrakter Freiheit löste und die Malmittel selbst betonte: die Farbe, den Malgrund, den Pinselstrich. In ihnen verkörperte sich fortan das, was empfunden und gesagt werden musste. Mit Maria Lassnig kam genau dieser Ausdrucksstil in den 50er Jahren nach Österreich.

Die internationale Anerkennung blieb ihr jedoch lange Zeit verwehrt. In den USA galten ihre Körperbilder als zu skurril, inszenierte sich die Künstlerin doch selbst als befremdlich anmutende Formwesen, wie liegende Herzen mit Händen und Augen oder personifizierte Knödel. Auf den Sammler Helmut Klewan wirkten Lassnigs Körperbilder dagegen vielversprechend – gut für uns: Dank seiner umfangreichen Sammlung können wir Lassnigs Körpergefühl mit den Augen ein Stück näherkommen. jb

Museen Böttcherstraße Bremen 22. 2.–7. 6.

Mehr Infos zur Ausstellung gibt es auf der Homepage der Museen Böttcherstraße.