URBANE KULTUR

Aufstehen für die Kultur: Demos, Akionen und Konzerte am Samstag

Workshopband des LJJO Hamburg
Damit solche Konzerte bald wieder möglich sind: In Hamburg tritt die Workshop-Band des LanesJungedJazzOrchesters bei „Wir verschaffen uns Gehör!“ auf.Foto: H.Fix

Zu den Berufen, die vom Coronavirus am stärksten betroffen sind, gehört die Kreativbranche. Künstler*innen und Kulturschaffende können nicht auftreten, sind von ihrem Publikum getrennt. Oft arbeiten sie selbständig und haben so kaum Absicherungen. Gleiches gilt für die Berufe, die das Stattfinden von Kunst erst ermöglichen: Szenograf*innen, Konzertveranstalter*innen, Klubbetreiber*innen.

Am Samstag, den 24. Oktober, finden in Berlin, Hamburg und München Veranstaltungen statt, die auf dieses Problem aufmerksam machen und Lösungen fordern. Die Bandbreite der Aktionen reicht dabei von der Kundgebung über Konzerte bis zur A-cappella-Demo. Doch alle drei Veranstaltungen eint, dass sie prominente Unterstützung erhalten. Und alle drei wollen auf dasselbe hinaus: sicherzustellen, dass die Kultur in diesem Land möglichst uneingeschränkt weiter existieren kann.

Hamburg: Musikalisches Open Air

In Hamburg präsentiert der Landesmusikrat ein Open-Air-Programm, das verschiedene musikalische Genres vereint. Die Aktion „Wir verschaffen uns Gehör! In Concert“ ist eine Fortsetzung der gleichnamigen Aktion aus dem August. Wie schon damals soll auch jetzt sowohl Musik zelebriert als auch auf die prekäre Situation vieler Musiker*innen aufmerksam gemacht werden. Finanzielle Unterstützung liefert dabei die Hamburger Behörde für Kultur und Medien.

Unter freiem Himmel bekommen die Künstler*innen eine große Bühne zur Verfügung gestellt, um endlich einmal wieder live auftreten zu können. Thomas Prisching, der Geschäftsführer des Musikrats, sagte dazu: „Wir arbeiten alle am Anschlag, um die Arbeitssituation der Betroffenen zu verbessern, Räume zu vermitteln und die meist ehrenamtliche Arbeit unserer Mitglieder vor allem im Amateurbereich und deren Ensembles, Orchester bzw. Chöre weiterhin am Leben zu halten. Da kam die kurzfristige Hilfe der Behörde für Kultur und Medien gerade recht, um noch einmal Open-Air-Konzerte zu ermöglichen.“

Die Bühne befindet sich auf dem Bert-Kaempfert-Platz in Barmbek. Dort ist Platz für ein Publikum von bis zu 200 Zuschauer*innen. In insgesamt sechs Themenblöcken präsentiert der Musikrat einen Überblick über seine Mitglieder. Das Programm beginnt am Samstag um 13 Uhr mit einem Konzert von zwei Hamburger Akkordeon-Ensembles. Im Anschluss treten verschiedene Chöre, klassische Ensembles und Jazzbands auf. Die Aktion endet um 22 Uhr nach einem Konzert der Workshop-Band des LandesJugendJazzOchesters Hamburg.

Das Gesamtprogramm und Tickets zu den einzelnen Veranstaltungen gibt es hier zu holen.

München: Aufstehen für die Kreativwirtschaft

Auch in München findet am Samstag eine Aktion statt. Die freischaffende Bratschistin Veronika Stross hat die Initiative „Aufstehen für Kultur“ ins Leben gerufen, die auf dem Königsplatz ab 12 Uhr zu einer Reihe von Kundgebungen zusammentrifft. Die Hauptaussage der Veranstaltung: Die Kreativwirtschaft, insbesondere die Freischaffenden, würden von der Politik vernachlässigt. Während andere Branchen großzügige Unterstützung erhielten, qualifizieren sich viele Künstler*innen nicht für die angebotene Soforthilfe.

„Künstler und Freischaffende in der Kultur und Unterhaltungsbranche sind keine Bettler, sie lieben ihren Beruf, und sie lieben es, Menschen zu unterhalten! Dafür wollen wir ein deutliches Zeichen setzen, und mit der Kundgebung auch auf die gesellschaftlichen Konsequenzen hinweisen, die ein Aus für Kultur und Unterhaltung bedeuten“, heißt es in einem Statement der Initiative. Entsprechend hat sie Forderungen an die Politik formuliert, darunter mehr Austausch, Umsetzung der entwickelten Konzepte sowie finanzielle Unterstützung. Die Veranstalter*innen bitten explizit auch Menschen um die Teilnahme, die selber nicht im Kulturbetrieb tätig sind.

Unter den Rednern sind neben Künstler*innen wie dem Kabarettisten und Autor Gerhard Polt auch Veranstalter*innen wie Béla Rieger von Backstage Promotion und gleich mehrere ehemalige bayerische Kultusminister. Der Schauspieler Roland Hefter führt durch das Programm, das von den Doubledrums und Cacey Strings musikalisch aufgelockert wird.

Berlin: A-cappella-Demonstration

In Berlin haben Mitglieder des Chors der Deutschen Oper die Aktion „#KulturVerbindetAlle“ initiiert. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus Demonstration und A-cappella-Konzert. Auf dem Gendarmenmarkt kommt dazu eine Fülle von professionellen Sänger*innen zusammen: Mitglieder der Chöre der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin, der Chorsolisten der Komischen Oper Berlin und des RIAS Kammerchors Berlin. Gemeinsam geben sie ab 12.30 Uhr ein Konzert, dessen Programm sich aus Konzert- und Opernmusik ebenso zusammensetzt wie aus Volksliedern und Kanons. Damit wollen sie ein Zeichen für das Verbindende der Kultur setzen – wenn es auch weniger um finanzielle Nöte geht, von denen staatliche Kultureinrichtungen generell weniger stark betroffen sind.

In einem Statement schreibt Antje Vollmer, ehemalige Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages: „Das ist eine tolle Botschaft an das Publikum, das die Theater, Konzerte und Opern schmerzlich vermisst, aber auch an die Tapferkeit einer ganzen Stadt. Kultur verbindet alle. So soll es bleiben!“