„La Grazia“: Stebehilfe zum Abschied?
Paolo Sorrentino bringt ein neues Politdrama ins Kino. „La Grazia“ zeigt einen Ministerpräsidenten, der kurz vor seinem Abtritt eine schwere Entscheidung fällen muss.
Paolo Sorrentino beschäftigt sich gerne mit der italienischen Politikwelt. Schon in drei seiner Filme spielte Toni Servillo einen Spitzenpolitiker: in „Il Divo“ den mehrfachen Ministerpräsidenten Giulio Andreotti, in „Loro – Die Verführten“ (2018) Silvio Berlusconi, und auch im aktuellen „La Grazia“ ein Staatsoberhaupt, wenn auch ein fiktives. Der Film kommt jetzt in die Kinos.
Christdemokrat Mariano De Santis steht kurz vor Ende seiner Amtszeit als Ministerpräsident, wirkliche politische Aufgaben hat er keine mehr, ein paar Gnadengesuche hier, die Unterschrift zu einem Gesetz zur Sterbehilfe da. Also sinniert De Santis: über sein Leben, über die Ehe mit seiner lange verstorbenen Frau, über vertane Chancen und unerfüllte Sehnsüchte. Und bereitet am Ende noch eine letzte politische Finte vor … „La Grazia“ hat dabei alles, was man von einem Sorrentino-Film erwartet: alte, traurige Männer, Bilder von berückender Schönheit, dazu einen leisen Humor, der zwischendurch mit diebischer Freude ins Grobe, Popkulturelle ausschert. Was an diesem zutiefst stilbewussten Film allerdings irritiert, ist, dass Sorrentino zwar politisches Kino macht, konkrete Politik dabei aber völlig ausklammert. Was angesichts der aktuellen neofaschistischen Regierung Italiens seltsam naiv wirkt.