FILM

Traumatische Innenwelten

Die Geschichte von Lisey Landon, die zwei Jahre nach der Ermordung ihres Mannes Scott mit immer neuen irritierenden Erlebnissen absolut nicht klarkommt: Jeder Fan von Stephen King wird sie kennen. Jetzt hat King diesen Traumhorrorstoff von „Lisey’s Story“ (ab 4. 6. auf Apple TV+) gemeinsam mit der Hauptdarstellerin und Oscarpreisträgerin Julianne Moore verfilmt. Regie führte Pablo Larraín („Jackie: Die First Lady“), der schon in der gesamten ersten Folge des Achtstünders mit Zeitebenen, Realitäten und Traumverschachtelungen so intensiv operiert, dass eine lineare Handlung dem Stoff so fremd ist wie ein glücklicher Mensch.

Statt Linearität und Nachvollziehbarkeit zu generieren, legt die Horrorserie Liseys Innenwelt offen. Da kann es dann schon sein, dass die in ihrem Leid versinkende Witwe einerseits auf dem Bett liegt, während sich unerklärliche Dinge in der Wohnung abspielen, dass Lisey aber gleichzeitig in einem Traum gemeinsam mit ihrem verstorbenen Mann (Clive Owen) am Strand steht und mit ihm zurückblickt auf Zeiten, die allem Anschein nach auch nicht so glücklich waren. Auf allen dieser vielen Ebenen aber dominiert der Score und macht aus glücklichen wie traurigen Bildern Ereignisse, denen man zutiefst misstrauen möchte.

„Lisey’s Story“ können allenfalls King-Afficionados einfach so wegschauen, sensiblere Menschen sollten zwischen Realitätsverschiebung, fremden Welten, lebendigen Dingen und durchgeknallten Menschen immer mal wieder pausieren. Aber stimmig ist das Ganze! Und wer will, kann in diesem stimmigen Horror auch die Kreation einer eigenen Welt in der Zweierbeziehung sehen. jw

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