FILM

Schlimmer als Covid-19: Stephen King

Dass sein Roman „The Stand” erneut verfilmt wurde, wundert nicht im geringsten: Horrorspezialist Stephen King hat bei der Verfilmung seiner Bücher weiter einen Lauf. Der Roman „The Shining” wird nach Stanley Kubricks Verfilmung, mit der King nie zufrieden war und den er deshalb in den 90ern neu als Minserie verfilmen ließ, nun vom US-Streaminganbieter HBO Max noch mal als Serie aufbereitet. Erst 2019 kam mit „Doctor Sleeps Erwachen” eine Fortsetzung des Horrors im Overlook Hotel in die Kinos, die bei den Kritikern durchfiel.

Jetzt also „The Stand”. Der in der dritten überarbeiteten Version über 1700 Seiten lange Roman über einen Virus, der fast die ganze Menschheit dahinrafft, ist mehr als nur eine Dystopie über eine sich selbst auslöschende Spezies. King wäre nicht King, wenn er es einfach beim Virus beließe. Der Meister des Horrors hat, so hört man, für diese jetzt bei Starzplay startende Serie das Ende noch einmal umgeschrieben – kein Wunder: Sicher hat er die Geschichte von „The Stand” damit an unsere Gegenwart und Covid-19 angepasst. Doch das ist nicht alles, denn wie immer steckt die menschliche Psyche bei King in großen Problemen. Das fängt bei Harold Lauder (Owen Teague) an, der rein äußerlich vielleicht das Alter Ego von King sein soll. Lauder ist erfolgloser Schriftsteller, der gerade erst wieder die Absage eines Verlags erhalten hat, als die Seuche ausbricht. Das hört beim Musiker Larry Underwood (Jovan Adepo) noch lange nicht auf, der Glück mit dem Virus hat, weil ein Autor vieler seiner Songs ihm gerade an den Kragen will, weil Underwood ihn betrogen hat. Warum sterben Lauder und Underwood und die anderen Resistenten nicht, von denen viele die gleichen Träume mit Mutter Abigail (Whoopi Goldberg) haben und deshalb zueinander finden?

Wie schon der Roman, so lässt auch diese – wiederholte – Verfilmung solche Fragen offen, sie sind die treibende Kraft der Handlung. Leider krankt auch die von Josh Boone gedrehte Serie an den typischen King’schen Charakteren, die zu sehr Abziehbilder sind und zu wenig Individuen. Nach eineinhalb gesichteten Folgen waren die interessantesten Seqeuzen der Handlung diejenigen, die den Zusammenbruch von Instanzen wie Seuchenzentrum oder Militär behandelten. Da aber, wo Kings Horror beginnt, wird die Serie platt und lahm. Daran kann auch Alexander Skarsgård in der Rolle des mysteriösen und übernatürlichen Randall Flagg mit all seinen Kräften nichts ändern.  jw

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