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Lesung und Gespräch mit Ljudmila Ulitzkaja in Hamburg

LESUNG UND GESPRÄCH LJUDMILA ULITZKAJA
Foto: Peter-Andreas Hassiepen

Ljudmila Ulitzkaja ist in Hamburg! Am 22. März wird sie zu Gast in der Freien Akademie der Künste in der Hansestadt sein. Ulitzkaja ist eine der wichtigsten Schriftstellerinnen Russlands. Zusammen mit ihrer Übersetzerin Ganna-Maria Braungardt wird sie eine Lesung halten und über ihr Werk sprechen.

2020 wurde der Autorin der Siegfried Lenz Preis verliehen. Allerdings konnte sie die Auszeichnung aufgrund der Corona-Pandemie nicht persönlich entgegen nehmen. Deshalb fand die Verleihung in einer vom NDR organisierten und produzierten Radiosendung statt.

Ljudmila Ulitzkaja ist 1943 in Moskau geboren. Als Schriftstellerin kann sie auf ein sehr vielseitiges Œuvre zurückblicken: So schrieb sie Drehbücher, Hörspiele, Theaterstücke, Prosa und vor allem Romane.

Dies Jahr erschien ihr Roman „Alissa kauft ihren Tod“. Auch in den Jahren zuvor war Ulitzkaja erstaunlich produktiv: Letztes Jahr veröffentlicht sie bereits „Eine Seuche der Stadt“. Die kurzen Intervalle haben im Schaffen der Autorin Tradition. 2017 erschien „Jakobsleiter“, 2015 die „Kehrseite des Himmels“ und 2012 „Das grüne Zelt“.

Die Autorin entwickelt in all ihren Werken ein beeindruckendes Geflecht, das die Gegenwart mit der Vergangenheit, das Religiöse mit dem Politischen und das Gesellschaftliche mit dem Persönlichen verbindet.

Für ihr literarisches Schaffen wurde Ljudmila Ulitzkaja neben dem Siegried Lenz Preis auch mit weiteren Ehrungen bedacht. 2008 erhielt sie den Aleksandr-Men-Preis für die interkulturelle Vermittlung zwischen Russland und Deutschland und 2014 den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur.

Solidarität mit der Ukraine

Vor dem Hintergrund ihrer Vermittlungsbemühungen bezieht Ljudmila Ulitzkaja auch Stellung zum Krieg in der Ukraine:

“Heute, am 24. Februar 2022, hat ein Krieg begonnen. Ich dachte immer, meine Generation, die während des Zweiten Weltkriegs geboren wurde, hätte Glück gehabt, wir würden ohne Krieg weiterleben, bis zu unserem Tod, der, worum wir stets als orthodoxe Christen beten, „friedlich, schmerzlos und nicht peinlich“ sein möge. Aber daraus scheint nichts zu werden. Noch ist nicht abzusehen, wie sich die Ereignisse dieses dramatischen Tages auswirken werden. Der Wahnsinn eines Mannes und seiner ihm ergebenen Handlanger bestimmt das Schicksal des Landes. Wir können nur vermuten, was darüber in fünfzig Jahren in den Geschichtsbüchern stehen wird. Schmerz, Angst und Scham – das sind die Gefühle am heutigen Tag.

Schmerz – weil der Krieg alles Lebendige trifft – das Gras, die Bäume, die Tiere, die Menschen und ihre Kinder.

Angst – weil unser biologischer Instinkt auf die Erhaltung unseres Lebens und des Lebens unserer Nachkommen gerichtet ist.

Scham – weil offensichtlich ist, dass die Regierung unseres Landes die Verantwortung trägt für diese Situation, die großes Unglück über die gesamte Menschheit bringen könnte.

Die Verantwortung für das, was heute geschieht, tragen aber auch wir alle, die Zeugen dieser dramatischen Ereignisse, weil wir sie nicht vorherzusehen und zu verhindern vermochten. Wir müssen diesen eskalierenden Krieg stoppen und uns den propagandistischen Lügen entgegenstellen, die durch die offiziellen Medien auf unsere Bevölkerung einströmen.”

Die Veranstaltung an der Freien Akademie der Künste wird von Günter Berg und Monique Schwitter moderiert werden. Zusätzlich wird ein Livestream angeboten. Tickets für einen Besuch in physischer Präsenz kosten 15 Euro und können hier erworben werden.

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