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Magro im Interview zu „II“: Jazz ist für alle da

Magro
Magro sind die Grenzen des Jazz egal.Foto: Daniel Wetzel

Magro veröffentlicht mit „II“ sein zweites Album: kulturews hat mit der jungen Jazz-Hoffnung ein Fünf-Fragen-Interview geführt…

2021 erschien mit „Trippin“ Magros erstes Studioalbum und erhielt kurze Zeit später den Deutschen Jazzpreis in der Kategorie „Debütalbum des Jahres“. Also nicht lang fackeln, weitermachen: Mit „II“ erscheint nun sein zweites Album. Nu-Jazz wäre noch untertrieben, denn das Album klingt mal nach Funk, mal nach HipHop und mal nach virtuosen Jazzwelten direkt aus New York – dabei bewegt sich der Drummer und Produzent souverän auf dem Spannungsfeld zwischen der Unmittelbarkeit des live eingespielten Sound und der elektronischen Produktion.

Die Aufnahmen zum neuen Album sind größtenteils bei Impro-Sessions entstanden. Wie kann ich mir das vorstellen?

Bei meinem ersten Album saß ich hauptsächlich alleine im Studio und hab alles vorm Laptop produziert und aufgenommen. Dieses Mal wollte ich einen anderen Ansatz wählen. Denn inzwischen ist meine Live-Band ziemlich gut zusammengewachsen – ich wollte das Album als Band aufnehmen. Wir haben uns einen Tag lang ins Studio gesetzt und mit verschiedenen Konzepten aufgenommen: Teilweise hatte ich mir ein paar Akkordfolgen aufgeschrieben, bei anderen Tracks haben wir einfach drauflos gespielt, zwanzig Minuten mitgeschnitten und am Ende hab’ ich dann die Aufnahmen gekürzt und bearbeitet. Mit beiden Vocal-Features (Kenny Wesley und Leona Berlin) haben wir „on the Spot“ die Songs zusammen geschrieben und direkt aufgenommen. Schlussendlich habe ich dann alles sortiert und zu einem runden Album produziert.

Deine Mutter war Pianistin: War es quasi unausweichlich, dass du auch Musiker wirst?

Wahrscheinlich schon. (lacht) Die Grundbedingungen wurden schon sehr früh geschaffen: Ich habe mich mit ca. vierzehn Jahren dafür entschieden.

Du hast zusammen mit ihr sämtliche Beatles Songs gespielt. Hast du einen Lieblingssong der Beatles?

Ich bin jetzt nicht mehr so der Mega-Beatles-Fan wie noch als Kind, aber wenn ich einen Song wählen müsste, dann wäre das „Come Together“.

Du verbindest virtuosen Jazz mit Funk, R’n’B und HipHop. Jazz wird heute immer noch oft als elitäre Musik wahrgenommen.

Ich habe das Gefühl, dass das vor allem in Deutschland so ist. Aber es ändert sich momentan durch populäre Crossover Künstler:innen wie z.B. Robert Glasper, Hiatus Kayote oder Thundercat. Viele Leute, die sich damit noch nie beschäftigt haben, wissen gar nicht, was sie mit Jazz erleben können. Jazz ist für mich mehr eine Herangehensweise an Musik. Klar, es gibt die Geschichte, die uns Jazzmusiker:innen alle irgendwie verbindet, aber Jazz kann so viele Facetten haben: Beispielsweise kann das – in Klischees gesprochen – ein verrücktes, intellektuelles Freejazz Trio sein, eine Swing-Kapelle oder aber auch eine Band, die live HipHop-Beats improvisiert und 500 Leute zum Tanzen bringt. Ich möchte meine Musik so gestalten, dass auch unerfahrene Hörer:innen die Chance bekommen, sich mit der Musik zu verbinden. Das geht oft über die Beats und die Stimme. Deswegen habe ich live meistens einen Rapper oder eine Sängerin dabei. Damit habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht. Bei meinen Konzerten gehen die Leute meistens total mit – egal ob erfahrener Jazzfan oder jemand, der die Musik zum ersten Mal hört.

Du arbeitest mit den unterschiedlichsten Künstler:innen zusammen: Von der R’n’B-Sängerin Leona Berlin bis zum Pianisten BIGYUKI: Ist das nicht sehr herausfordernd, sich immer auf neue Charaktere im Studio einlassen zu müssen?

Es ist eigentlich nie ein Problem, in ganz unterschiedlichen Stilen mit unterschiedlichen Künstler:innen zu arbeiten. Wenn beide Seiten die jeweiligen Eigenheiten der Musik verstehen und wenn es ausschließlich darum geht, tolle Musik zu kreieren – und nicht darum, sich zu profilieren – funktioniert das eigentlich immer!

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„II“ wird am 26.08.2022 beim Berliner XJAZZ! Label veröffentlicht.

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