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Malky: Where is Piemont

Wir sind hier nicht in Bologna, Malky! Eigentlich wollten die zwei Musiker mit ihrem neuen Album nach Italien. Doch zum Glück hat sich das Soulpopduo gehörig verfahren.

Daniel, ihr nennt euer zweites Album nicht nur „Where is Piemont“, sondern ihr habt auch mit Italien als Sehnsuchtsort gearbeitet. Brauchtet ihr ein verkitschtes Italienbild, um den tristen Winter im Nirgendwo zwischen Berlin und Leipzig zu ertragen?

Daniel Stoyanov: Das ging los, als wir die Songs für die endgültigen Aufnahmen vorbereitet haben. Ich suche mir dann oft Fotos, die ich an die Wand hefte, um sie anschauen zu können, während ich den Gesang aufnehme – und tatsächlich waren das vor allem Fürstenhäuser aus der Toskana. Michi und ich teilen da eine gewisse Affinität zur italienischen Kultur und Lebensfreunde. Ich kann auch gar nicht erklären, was es genau ist, aber mir wird einfach warm ums Herz, wenn ich an Italien denke.

Musikalisch hört man das aber nicht unbedingt: Italopop fehlt – während die Referenzen auf „Where is Piemont“ ja durchaus von Soul über europäische Folklore bis hin zum Las-Vegas-Sound gehen.

Stoyanov: Der Fantasieort Italien war ja auch nicht von Anfang an Konzept, sondern wir haben ihn erst im Nachhinein über die Songs gelegt. Wir hatten da ja schon sehr expressive Songs geschrieben, die cineastische Bilder und eine gewisse Urgewalt auffahren. Insofern hat die Italienvorstellung dann eher sichergestellt, dass wir die Kompositionen wie geplant umsetzen und unsere Angst vor Pathos in Schach halten.

Ist diese Angst so groß?

Stoyanov: Wir sind ja nicht mehr Anfang Zwanzig und jagen dem neuesten Elektrotrend hinterher, aber es kommt auch nicht von ungefähr, dass wir lieber fernab von irgendwelchen Szenen und den angesagten Städten arbeiten. Trotzdem ist es immer ein Kampf, bei sich zu bleiben und sich wirklich nur nach dem eigenen Geschmack zu richten.

Waren die Fotos dabei eine Hilfe, weil sie Erinnerungen und eine melancholische Stimmung getriggert haben?

Stoyanov: Melancholie war bei unserem ersten Album ein großes Thema. Wenn man anfängt, sich an einen Ort zurückzuziehen, um Musik zu machen, ist man zunächst wohl immer melancholisch. Vermutlich war es unvermeidlich, dass sich auf „Soon“ viele Kindheitserinnerungen an die Sommer in Bulgarien eingeschrieben haben. So langsam lösen wir uns aber von der Melancholie. Man muss da raus und einsehen, dass es auch glückliche Songs geben muss. Vielleicht ist „Where is Piemont“ noch ein Zwischenschritt, aber mit dem nächsten Album werden wir ganz sicher dort ankommen. Da weisen die Fotos schon den Weg, denn ich stelle mir durchaus eine Zukunft in Italien vor und lerne in Volkshochschulkursen auch schon Italienisch. Irgendwann will ich einfach aus der Tür gehen und dann diese Architektur sehen, diese Sprache hören und natürlich auch das Essen genießen.

Ist es euer Ziel, zu Bewahrern von traditioneller Musik zu werden und etwa europäische Folklore oder klassischen Soul einen eigenen Dreh zu geben und ins Jetzt zu befördern?

Stoyanov: Das würde mir gefallen, aber noch sind wir nicht so weit. Zunächst ist Malky einfach die Umsetzung unseres persönlichen Musikgeschmacks. Mit der neuen Platte füllen wir zum ersten Mal die Bühne aus, die wir uns von Anfang an vorgestellt haben. Auch auf „Soon“ war die orchestrale Opulenz teilweise schon angelegt – nur war nicht das Budget vorhanden, um sie auch umsetzen zu können.

Nachdem ihr als Songschreiber für andere Musiker bereits einige Erfahrungen mit der Musikindustrie gemacht habt: Ist es euch da schwergefallen, die Unabhängigkeit eines eigenen Labels aufzugeben und bei einer großen Plattenfirma zu unterschreiben?

Stoyanov: Es hat mich schon ein paar schlaflose Nächte gekostet, denn das Schlimmste wäre gewesen, wenn wir unter dem Druck, kommerziell erfolgreich sein zu müssen, ein weichgespültes Album gemacht hätten. Die vergangenen Jahre mit Malky waren ja gerade ein Prozess des Abschürfens: Dieses Wissen, was funktioniert, musste weg, damit wir wieder an uns selbst rankommen. Deswegen war es wichtig, dass wir zunächst allein losgelaufen sind. Jetzt haben wir das Standing, um unsere eigene Definition von einem Hit zu formulieren und das Publikum auch zu erziehen. Das klingt vielleicht überheblich, ist aber eigentlich das Gegenteil: Wir schätzen unser Publikum und halten es für so musikinteressiert, dass es alternative Angebote zum gleichgeschalteten Mainstreampop dankbar annimmt.

Interview: Carsten Schrader

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CHECKBRIEF
BANDNAME Malky (bulgarisch für: kleiner Junge)
MITGLIEDER Sänger Daniel Stoyanov kam als Kind von Bulgarien nach Deutschland, die Vorfahren von Produzent und Keyboarder Michael Vajna stammen aus Ungarn
GENRES Soul, Pop, Folklore, Orchestermusik
GRÜNDUNGSJAHR 2011
VORGESCHICHTE Die beiden Musiker lernten sich in Mannheim kennen und arbeiteten bereits seit Jahren als Songwriter für andere Künstler und als Backgroundsänger
BISHERIGE VERÖFFENTLICHUNGEN „Diamonds“ (EP, 2013); „Soon“ (2014)  

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