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„Liebe / Liebe“ von Marlen Pelny: Debütroman mit Triggerwarnung

Portraitfoto Marlen Pelny
Foto: Mike Auerbach

Der lange Weg dieses herausragenden Debüts von Marlen Pelny konfrontiert die Leser:innen mit der Mutlosigkeit des Literaturbetriebs.

Marlen Pelny weiß eigentlich sehr genau, wie sie ihre Texte unter die Leute bringt: Sie vertont sie mit der Band Zuckerklub, und eine Stadt wie Leipzig hat sie auch schon einfach mal mit ihrer Lyrik zuplakatiert.

Doch mit einem Roman funktionieren Guerilla-Aktionen natürlich nicht, und so musste die in Berlin lebende Autorin die Erfahrung machen, dass bestimmte Themen nicht nur gesellschaftlich, sondern auch in der Literaturwelt verdrängt werden: Fünf Jahre lang hat sie erfolglos versucht, einen Verlag für „Liebe / Liebe“ zu finden.

Schließlich hat sich der Haymon-Verlag mit Sitz in Wien und Innsbruck ihres Debüts angenommen, und der versucht auch nicht, die Themen hinter einem schwurbeligen, vermeintlich verkaufsfördernden Klappentext zu verstecken, sondern versieht den Roman sehr sensibel mit einer Triggerwarnung: „Dieses Buch konfrontiert dich mit sexueller Gewalt, Kindesmissbrauch und Selbstverletzung.“

Pelnys Ich-Erzählerin Sascha wächst im zehnten Stock eines Hochhauses auf: Die Mutter ignoriert sie und starrt stundenlang apathisch aus dem Fenster, während der Vater ihr zu viel Aufmerksamkeit entgegenbringt. Seine Gutenachtküsse fühlen sich nicht richtig an, doch für das, was da passiert, fehlen ihr die Worte, denn zu Anfang des Romans ist Sascha noch ein kleines Mädchen.

Als Teenager kann sie sich ein paar Jahre später nicht nur aus dieser Sprachlosigkeit befreien: Inzwischen lebt sie bei ihrem Großvater, wo sie zum ersten Mal Geborgenheit erfährt und sich in ihre beste Freundin verliebt. Als sie die Nachricht erhält, dass ihre an Krebs erkrankte Mutter im Sterben liegt, entschließt sich Sascha zur Rückkehr in ihr Elternhaus, und die Verdrängung schlägt in Wut um …

„Liebe / Liebe“ von Marlen Pelny vermeidet den Ton der Betroffenheit

Marlen Pelny vermeidet Voyeurismus und den Ton der Betroffenheit. Ohne zu verharmlosen, bettet sie die tabuisierten Themen in eine sprachlich kraftvolle Coming-of-Age-Geschichte, die sie mit spannenden Wendungen und mitunter gar mit Humor erzählt. Sie holt die Gewalt dahin, wo sie leider auch allzu oft passiert: ganz nah bei uns.

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