MUSIK

Unfassbar schön: Martin Tingvall

Martin Tingvall Portrait, schwarzweiß
Foto: Tine Acke

Martin Tingvall, du hast dein neues Album „When Light returns“ nach einem Naturphänomen benannt und bist während der Aufnahmen viel spazieren gegangen. Wie ist deine Beziehung zur Natur?
Martin Tingvall: Die Natur ist vielleicht meine grösste Inspirationsquelle: die Stille, die Weite und vor allem das Meer.
Die Musik ist sehr minimalistisch und direkt.
Tingvall: Ich war zur Zeit der Aufnahmen in Schweden und besonders viel in der Natur. Ich glaube, diese Ruhe ist auch in der Musik zu hören und zu spüren.
Du hast gesagt, in den neuen Stücken geht es vor allem um Hoffnung. Was genau meinst du damit?
Tingvall: Ich habe das Album in einer Zeit komponiert und aufgenommen, in der die ganze Welt im Lockdown war, aber gleichzeitig gab es einen unfassbar schönen Frühling. Das hat mir Mut und Kraft und, ja, auch Hoffnung gegeben – dass es weitergeht, trotz der Pandemie.
Auf „When Light returns“ bist du einmal mehr ganz allein zu hören. Ist es einfacher, so Musik zu machen, als etwa mit deinem Trio, weil du keine Kompromisse eingehen musst?
Tingvall: Ich habe dieses Album sehr spontan aufgenommen und geschrieben und habe es einfach genossen, neue Ideen auf einem tollen Instrument zu probieren. Es gab keinen Druck, ich musste es nicht tun; es war nur für mich, und deswegen, glaube ich, habe ich auch so entspannt gespielt.

Würdest du das Album als Jazz bezeichnen, als Klassik oder als etwas ganz anderes?
Tingvall: Es ist ein Martin-Tingvall-Album. Ich finde es schwierig, Musik in eine Schublade zu stecken. Ich glaube und hoffe, dass ich sehr unterschiedliche Hörer:innen mit diesem Album erreiche. Es ist viel Klassik drin, genauer gesagt Neoklassik, aber auch skandinavischer Jazz und Folklore und Blues …
Apropos Skandinavien: Welche Rolle hat die Volksmusik gespielt?
Tingvall: Ich bin Schwede, und diese musikalischen Wurzeln werde ich nie verlieren. Ich bin aufgewachsen mit schwedischer Musik: Volksmusik, Popmusik, Rock und Jazz. Aber in allen diesen Genres kann man fast immer den schwedischen bzw. skandinavischen Ton raushören.
An mehreren Stellen hört man nicht nur das Klavier, sondern auch deine Stimme, wie du mitsummst …
Tingvall: Das geschieht, wenn ich das Spielen besonders genieße. Ich bin dann ganz tief in der Melodie und muss einfach mitsummen!

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