MUSIK

Prosaisch und lyrisch

Max Prosa Promofoto zu „Grüße aus der Flut“
Foto: Sandra Ludewig

Max, „Grüße aus der Flut“ ist dein viertes Album in vier Jahren. Wie schaffst du es, so produktiv zu sein? Woher ziehst du deine Inspiration?

Max Prosa: Was die künstlerische Seite betrifft, geschieht das recht mühelos. Es ist mein Job: Ich stehe morgens auf, bringe meine Kinder zur Kita und setze mich ans Klavier oder überlege, welche Geschichten und Eindrücke aus der letzten Zeit mich berührt haben. Dann schreibe ich etwas davon auf. Nach einer Weile finden Melodien und Textfragmente zusammen. Leonard Cohen hat es in seinem posthumen Album sehr auf den Punkt gebracht: „I was always working steady, but I never called it art.“ Die organisatorische Seite so eines Albums ist da schon problematischer, das kann mich bremsen.

Das Album endet mit der Zeile „Keine Angst, nichts bleibt beim Alten“. Dein Motto?

Prosa: Das finde ich passend. Bei mir ist nie viel beim Alten geblieben, vor allem in musikalischer Hinsicht, was meine Bands und Mitstreiter betrifft. Das war nicht immer angenehm, aber es hat auch Vertrauen in mich selbst geschafft. Angst hätte ich nur vor Stillstand.

Auch „Hier nicht zuhaus“ versprüht Aufbruchstimmung. Hast du oft Fernweh?

Prosa: Ja, das gibt es. Es ist dann Teil einer grundsätzlichen Melancholie, die sich ihr Ziel sucht. Mal ist es eine Person, mal ein Ort oder eine Zeit. Ich versuche, nicht in Selbstmitleid zu versinken. Wenn ich wollte, könnte ich nach Irland reisen und mich dort auf die Straße stellen, wie damals, als alles begann. Das Gefühl würde wieder kommen, auch dort. Wahrscheinlich zumindest.

Im Kontext von Songs wie „Buntes Papier“ erhält diese Aufbruchstimmung auch etwas Politisches. Wie gelingt dir der Spagat zwischen dem Lyrischen und dem Weltlichen, oder ist das für dich kein Widerspruch?

Prosa: Doch, das ist ein interessanter Widerspruch. Ich komme von der rein lyrischen Seite und bin mit der Zeit weltlicher geworden. Bei „Buntes Papier“ geschieht so ein Spagat. Anlass für das Lied war eine Geschichte in Byung-Chul Hans Buch „Psychopolitik“, in der Kinder Geld finden, es aber nicht als solches identifizieren und damit spielen. Es zeigt, wie tief wir alle im kapitalistischen Kaninchenbau stecken. Diese Erfahrung wollte ich möglichst exakt weitergeben, und dazu musste ich die Geschichte so weltlich aufschreiben, wie sie es ist.