- Review
Moses Boyd: Dark Matter
Schon in den 1920er Jahren war Jazz vor allem Tanzmusik. Mit seinem zweiten Album bringt Moses Boyd das Genre zurück auf den Dancefloor der Klubs.
Fast klingt es widersprüchlich bei den Kompositionen des Londoners Moses Boyd von einem „zurück zu den Wurzeln“ zu sprechen. Falsch ist es jedoch nicht: Als der Jazz vor mehr als hundert Jahren das Licht der Welt erblickte, handelte es sich bei den meisten Ensembles um Tanzbands. Erst wesentlich später wurde das Genre zur Hochkultur erklärt – und die Tanzschuhe wurden gegen den Sonntagsanzug getauscht. Müsste man Boyds „Dark Matter“ in einem Satz zusammenfassen, wäre es vermutlich so etwas wie: „Sorry Armchairjazz, ich find dich leider nicht so geil, und einen Sonntagsanzug besitze ich eh nicht“.
Die zehn Tracks der Platte sind mehr Dancefloor als Jazzklub, mehr Afterhour als Hauptprogramm. Hier raufen Jazzharmonien mit Garagebeats, dort knutschen Saxofonsoli mit Elektrobässen, Schweiß tropft von der Decke. Mit „Dark Matter“ macht Moses Boyd Boombox-Jazz für eine Generation junger Musikenthusiast*innen, für die Genregrenzen unerheblich geworden ist – und die Bock hat, wieder zu tanzen. sg
Dark Matter erscheint am 14. Februar
Musik


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