Mouse On Mars: Dimensional People
Prominente Featuregäste und Popmomente: Selten war experimentelle Musik so zugänglich – und doch wird es verdammt lange dauern, bis man diese Großtat von Mouse On Mars wirklich erschlossen hat.
Die beiden Vorabsingles stecken den Raum bereits ziemlich gut ab: Während bei der experimentellen Soundcollage aus verwaschenen Bläsern und ätherischen Synthies von „Dimensional People Part III“ nur der Gesang von Justin Vernon (Bon Iver) einen Haltegriff anbietet, setzt „Foul Mouth“ im Kern auf einen fast schon eingängigen Popmoment, bei dem sich Amanda Blanks Raps mit dem verchromten Gesang von Beirut-Chef Zach Condon verzahnen. Seit nun schon 25 Jahren arbeitet das Düsseldorfer Duo Mouse On Mars an einer Ausweitung der Hörgewohnheiten, indem sie Ambient und Synth-Frickeleien mit Jazz, moderner Klassik, Afrobeat und Avantgarde fusionieren, doch „Dimensional People“ hat nicht nur das Zeug als herausragende Veröffentlichung innerhalb ihrer umfangreichen Diskografie herauszustechen, sondern zu einer musiktheoretischen Wegmarke des 21. Jahrhunderts zu avancieren. Über ein Jahr lang experimentierten Andi Thoma und Jan St. Werner in ihrem Studio im Funkhaus Berlin, um neue Kontexte für digitale und akustische Klänge zu erschaffen. Dabei haben sie nicht nur mit Schallrobotern an den Übergängen gefeilt, sondern auch viele prominente Kollegen um Unterstützung gebeten: Neben den bereits an den Singles beteiligten Musikern sind etwa auch Spank Rock, Aaron und Bryce Dessner von The National, Eric D. Clarke, Lisa Hannigan und Sam Amidon dabei. Mit dem in der Elektroszene üblichen Feature-Gehubere hat das allerdings nichts zu tun: Ihre Gäste konnten selbst entscheiden, ob sie sich als Solist, als Ensemblemitglied, als multiple Persönlichkeit oder als abstrakten Sound einbringen wollten. So innovativ ihr Spiel mit Schall und Raumsound, so hörbar sind die Tracks von „Dimensional People“ dennoch geraten. Mouse On Mars wollen die Veröffentlichung dieser Großtat mit Klanginstallationen flankieren – dennoch werden sicher noch ein paar Jahre ins Land gehen, bis wir vollständig erfassen können, was sie hier geleistet haben.
Musik


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