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München – Im Angesicht des Krieges: Sudetenland verscherbelt

Das Münchner Abkommen im Herbst 1938 zwischen Deutschland und den Ländern Enland, Frankreich und Italien war im Grunde die Anbahnung des Zweiten Weltkrieges, wenn der auch erst ein Jahr später nach dem Überfall Deutschlands auf Polen folgen sollte. Beim Münchner Abkommen unterzeichneten England, Frankreich und Italien vertraglich, dass sich Deutschland von der Tschechoslowakei das Sudetenland einverleiben darf. Der Film München – Im Angesicht des Krieges, der jetzt auf Netflix startet, spielt im Vorfeld des Münchner Abkommens.

Der deutsche Diplomat Paul von Hartmann (Jannis Niewöhner) versucht den britische Diplomaten und früheren Freund Hugh Legat (George MacKay) davon zu überzeugen, dass Adolf Hitler (Ulrich Matthes) einen Krieg plant und jegliches Entgegenkommen, jegliche Appeasementpolitik von großem Nachteil sei. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, und München – Im Angesicht des Krieges  zeigt diesen Wettlauf mit allen Twists, Hindernissen und Verwicklungen.

Die beiden Diplomaten von Hartmann und Legat hat es nie gegeben, der Schrifsteller Robert Harris hat sie für seinen Roman „München“ erfunden, der die Grundlage für den Netflix-Film ist. Sie haben sich Jahre zuvor beim gemeinsamen Studium in Oxford kennen gelernt und waren Freunde, ehe ihre Wege sich wieder trennten. Die Schwäche des Films liegt zu großen Teilen in diesem „Prequel“. Es wird versucht, die Freundschaft herzuleiten, doch ist der zeitliche Rahmen dafür viel zu kurz, und auch inhaltlich ist die Freundschaft nicht so definiert, dass daraus das spätere Ver- und Misstrauen abgeleitet werden könnte. Was aber so richtig danebengeht, ist ihre Doppelfreundschaft mit der von Liv Lisa Fries („Babylon Berlin“) gespielten Lenya. Ihr Schicksal in Deutschland nach 1933 soll Hugh Legat endgültig davon überzeugen, dass Hitler nicht nur Schlimmes vorhat, sondern schon längst damit begann. Lenya wird als Figur im Film praktisch nur dafür aufgebaut, diese Rolle zu spielen, über weite Strecken der Handlung aber fragt man sich, wo sie abgeblieben ist.

München – Im Angesicht des Krieges  soll mit einer fiktiven Geschichte im realen historischen Prozess zeigen, welche Möglichkeiten es 1938 gab, den ein Jahr später startenden Zweiten Weltkrieg im Vorfeld zu stoppen. In der historischen Analyse steht Neville Chamberlain (im Film gespielt von Jeremy Irons) als blauäugiger Anhänger der Appeasement-Politik da, der Nazi-Deutschland das Sudetenland zum Fraß vorwarf, um keinen Krieg beginnen zu müssen. Der Film lässt ihn um diese Position ringen, wobei die Gegnerschaft der Appeasement-Politik von fiktiven Personen verkörpert werden, nicht von realen. jw

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