MUSIK

Dank Speedy Wunderground klingen Gitarren wieder aufregend

Squid sind nur eine der tollen Bands, die derzeit auf dem Südlondoner Label Speedy Wunderground die Gitarrenmusik ganz beiläufig revolutionieren.
SquidMatilda Hill Jenkins

Keine Studioaufnahme länger als einen Tag, kaum nachträgliche Bearbeitung, und alles wird zeitnah als 7″ veröffentlicht: Das Südlondoner Label Speedy Wunderground geht nach einem strengen Zehn-Punkte-Plan vor, um zur derzeit spannendsten Gitarrenmusik zu gelangen. Diese drei Acts haben es uns besonders angetan:

SQUID

Wie das Quintett aus Brighton im Song „Match Bet“ von der EP „Town Centre“ in den Kopf eines manischen Sonic-Youth-Fans eintaucht, dabei zwischen noisigen Breaks, nervösen Post-Punk-Gitarren und einem frenetischen Saxofon-Zwischenspiel auch noch harmonische Anker setzt, ist kaum weniger als sensationell – erst recht, weil das alles so druckvoll und dicht klingt, dass man kaum merkt, wie der Song etwa ein halbes Dutzend mal seine Gestalt wechselt.

Live beim Reeperbahn Festival:

Freitag, 20. 9., 20–20.45 Uhr, Molotow

Samstag, 21. 9., 17–17.30 Uhr, Molotow Backyard

Samstag, 21. 9., 22.50—23.35 Uhr, Nochtspeicher

BLACK COUNTRY, NEW ROAD

Erst zwei Singles gibt es von der sechsköpfigen Band bisher zu hören, und ihren Liveshows eilt ein ähnlicher Ruf voraus wie es bei Black Midi der Fall war, die ihre erste Single ebenfalls bei Speedy Wunderground veröffentlicht haben. Ihre Soundbasis, die sich zwischen Mathrock und Post-Punk bewegt, füllen Black Country, New Road mit Noise-Eruptionen, Freejazz-Elementen, Krautrock und derangiertem Artpop á la Xiu Xiu auf, und keiner ihrer Songs hört dort auf, wo er begonnen hat. Wie genau das klingt, muss man selbst hören, etwa auf „Athens, France“, in dem sich Sänger Isaac Wood sechs Minuten lang durch ein sexuelles Angstszenario ächzt, stöhnt, presst – und dabei sogar Ariana Grande referenziert.

Live beim Reeperbahn Festival:

Donnerstag, 19. 9., 20–20.45 Uhr, Molotow

SINEAD O’BRIEN

Sinead O’Brien hat mindestens so viele lyrische wie musikalische Ambitionen, und selbst für ein Drei-Minuten-Stück zieht die irische Künstlerin Verweise von Heidegger bis Arthur Rimbaud heran – wie für die Single „Taking on Time“, einem in Spoken-Word-Manier vorgetragenen stream of consciousness, eingebettet in scharfkantigen, melodische Haken schlagenden und mit brillanten Produktionsdetails ausgestatteten Post-Punk.

Weitere tolle Bands könnt ihr auf der Website des Labels entdecken.