Nick Hornby: Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst

LITERATUR | Roman

Nick Hornby: Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst

Besonders originell ist die Idee nicht: Zwei Mittvierziger gehen zur Paartherapie. Sie sind seit vielen Jahren verheiratet, haben zwei Kinder – aber seit geraumer Zeit keinen Sex mehr. Zum Eklat kommt es, als Tom erfährt, dass Louise eine Affäre hatte. Sie melden sich zur wöchentlichen Sitzung bei Kenyon an, Tom zieht vorübergehend mit drei Medienstudenten in eine besetzte Wohnung, und beide fragen sich, wie sie es überhaupt all die Jahre miteinander ausgehalten haben … Doch Nick Hornby ist auch nicht Bestsellerautor, weil er sich spektakuläre Plots ausdenkt. Romane wie „High Fidelity“ und „About a Boy“ waren so erfolgreich, weil er sich empathisch in seine Figuren einfühlt und mit viel Humor auf deren Alltagsprobleme blickt. Mit „Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst“ schafft sich der 62-jährige Brite die perfekte Ausgangssituation, um seine Stärken voll ausspielen zu können: Hornby erspart dem Leser das Therapeutengerede und begleitet das Paar lieber für zehn Wochen in die Bar, wo sich der arbeitslose Musikjournalist Tom und die Gerontologin Louise auf ein schnelles Bier und ein Glas Wein treffen, um dann gemeinsam über die Straße zu Kenyon zu gehen.

„(…) Verdammt, wenn man darüber nachdenkt, ist es wie beim Brexit. Wir werden noch zwei volle Jahre verhandeln, bis wir uns darüber einigen können, wo die Probleme überhaupt liegen.“

„Aber beim Brexit geht es um eine Scheidung.“

Sie denken sich potenzielle zukünftige Partner, schließen einen Todespakt ab und harmonieren immerhin noch beim gemeinsamen Lösen des Kreuzworträtsels: Der neue Hornby ist ein unglaublich kurzweiliger Schlagabtausch auf fast 200 Seiten – der mit den witzigen Dialogen auch die unglaublich komplexen Fallstricke von Langzeitbeziehungen offenbart. cs

Nick Hornby Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst

Kiepenheuer & Witsch, 2020, 192 S., 20 Euro

Aus d. Engl. v. Ingo Herzke