MUSIK

Norwegian Digital Jazz Festival: Woche vier

Das Norwegian Digital Jazz Festival geht langsam seinem Ende entgegen. In den verbleibenden zwei Wochen bringt das virtuelle Festival aber noch mal sechs hochkarätige Acts auf die Bühne, die nicht nur tiefe Einblicke in die umtriebige Jazzszene des Landes bieten, sondern auch sämtliche Facetten des Genres abbilden.

Nils Petter Molvær ist ein Grenzgänger. Seine Zusammenführung von Jazz und elektronischer Musik machen den 60-jährigen Trompeter zu einem der wichtigsten skandinavischen Musiker der vergangenen 30 Jahre. Sein Album „Khmer“, das in den 90er-Jahren entstand, ist ein Meilenstein der norwegischen Jazzgeschichte und gilt in seiner Verbindung von Jazz, House und Drum’n’Bass-Beats bis heute als wegweisend. Zusammen mit dem Bassisten Jo Berger Myhre und dem Schlagzeuger Erland Dahlen arbeitet Molvær zudem auch Elemente des Noise- und Post-Rock in seine Musik mit ein – und zeigt abermals, was für kreative Freiheiten entstehen können, wenn es einem gelingt, Grenzen zu überwinden.

Tord Gustavsen ist einer der wenigen Musiker, die sowohl auf einen ersten Platz in den norwegischen Charts als auch eine Top-Ten-Platzierung in den amerikanischen Billboard-Charts zurückblicken können. Dennoch ist ein Blick auf die reinen Zahlen ungenügend, um zu verstehen, was den Pianisten besonders macht. „Für mich ist Klavier spielen ganz ähnlich wie eine Meditation oder ein Gebet“, erzählt Gustavsen in einem Gespräch mit Deutschlandfunk. Das Spirituelle und das Virtuose liegen in seiner Musik nah beieinander, Kirchenlieder und barocke Kantaten beeinflussen seine Kompositionen genauso wie die Ausdrucksformen des Blues und des klassisch orientierten Fusionjazz. Nach den großen Erfolgen seines Trios in den frühen Nullerjahren veröffentlichte er 2018 nach elf Jahren Pause wieder ein Album in der Besetzung. Beim Norwegian Jazz Festival wird er durch Jarle Vespestad am Schlagzeug und Steinar Raknes am Bass unterstützt.

Nicht zuletzt wegen seiner langen Haare und seines Rauschebarts wirkt Tygve Seim sehr erhaben in seinem Auftreten. Doch auch seine Kompostionen halten diesem Eindruck stand. Für die Sängerinnen Tora Augestad und Anne-Lise Berntsen hat der Saxofonist einen Liederzyklus geschrieben, der auf den Texten des persischen Dichters und Mystikers Jalal al-Din Rumi basiert. Für die Umsetzung griff Seim auf Elemente der klassischen europäischen Musik, des Jazz und der arabischen Musik zurück, die er auf Reisen in den nahen und mittleren Osten kennenlernte. Zusammen mit der Sängerin Ingebjørg Bratland, dem Klarinettisten Håvard Lund und Frode Haltli am Akkordeon präsentiert er die Komposition auf der Bühne des digitalen Jazzfestivals.

Ketil Bjørnstad, Gard Nilssen und Hedvig Mollestad zum Abschluss

Am 26. 11. beginnt die letzte Woche des Norwegian Digital Jazz Festival. Der Pianist und Schriftsteller Ketil Bjørnstad wirft den Blick zurück auf die Höhepunkte seiner 50 Jahre umfassenden Karriere, Drummer Gard Nilssen erweckt mit seiner Band den Geist des Hard-Bop der 60er-Jahre wieder zum Leben, und das Hedvig Mollestadt Trio lässt in seinen Stücken Jazz, Swing, Stonerrock und Doom aufeinanderprallen.

Tickets für das Norwegian Digital Jazz Festival

Eintrittskarten für die Konzerte können auf der Website des virtuellen Festivals erworben werden.  Zusätzlich zu den Konzerten, die vorab im Osloer Klub Sentralen aufgezeichnet wurden, gibt es auf der Website auch Interviews, in denen die Künstler*innen über ihre Arbeit und ihre Erfahrungen während des Lockdowns sprechen.