MUSIK

Pet Shop Boys: Furios gut gelaunt

Pet Shop Boys im Interview über ihr neues Album „Hotspot“.
Foto: Phil Fisk

Chris, im Video zu eurer neuen Single „Monkey Business“ kann man dir und Neil beim Tanzen zuschauen. So viel Dynamik ist man von den Pet Shop Boys nicht gewohnt.

Chris Lowe: (lacht) Nicht wahr? Wir waren schon eine Weile nicht mehr selbst in einem unserer Videos zu sehen, und wir hatten bei „Monkey Business“ einfach Lust darauf. Gerade weil dieser Song so gnadenlos flott, funky und tanzbar ist. Ich hätte gerne noch länger trainiert, aber es sieht auch so ganz witzig aus.

Gehst du privat viel tanzen?

Lowe: Och, kaum noch. Ich habe alles gesehen. Neil und ich gehen jetzt gern altersgerecht aus. Wenn wir in Berlin sind, treffen wir uns gern am Sonntagmittag im Berghain mit Freunden auf ein paar Prosecco, bevor wir ein spätes Mittagessen einnehmen.

Wie hältst du es mit der Nacktheit dort?

Lowe: (kreischt) Wir sitzen oben in der Panorama Bar, dort sind die Menschen in der Regel nicht nackt. Neil und ich auch nicht, wir behalten unsere Kleidung vollständig an. Aber wenn die anderen nackt sein wollen, sollen sie doch gerne. Wir beide finden das cool. Die ganze Atmosphäre im Berghain ist sehr befreiend – auch, weil die Handys aus bleiben müssen. In London kannst du nirgends hingehen, ohne beäugt und beobachtet zu werden. Und wenn die Leute gerade keine anderen Leute fotografieren, dann fotografieren sie sich selbst. Nervig. Neil und ich erregen ungern Aufsehen. Dafür ist das entspannte und gelassene Berlin wie gemacht.

Wie viel Zeit verbringt ihr in Berlin?

Lowe: Im Schnitt etwa zehn Wochen pro Jahr. Wir haben uns vor Kurzem sogar eine Wohnung gekauft, eine ziemlich große sogar, mit einem kleinen Studio drin.

Ihr lebt in einer WG?

Lowe: Ja! Wir wollten endlich eine eigene Bleibe haben. Unser Freund, der Fotograf Wolfgang Tilmans, hat eine ganz ähnliche Wohnung. Gut 100 Jahre alt, mit einem „Berliner Zimmer“ in der Mitte. Es war ganz schön schwierig, überhaupt eine Wohnung in Berlin zu ergattern.

Was treibt ihr so?

Lowe: Wir haben Fahrräder, mit denen radeln wir gerne im Tiergarten. Besonders herrlich ist natürlich der Sommer. Im Sommer ist in Berlin alles toll. Wir sind dann viel draußen mit unseren Rädern, entweder in den Wäldern oder an den Seen im Umland. Den Schlachtensee mögen wir besonders gern, er hat die perfekte Größe.

Du und Neil, ihr wirkt zusammen immer so sympathisch stoisch. Ist das eigentlich eine Masche?

Lowe: (lacht) Gott ja, das ist unsere Aura. Wir lachen sehr viel zusammen, wir haben unglaublich viel Spaß. Vor allem auch mit Stuart Price, der ein wirklich überschwänglicher Bursche ist. Im Studio verbringen wir mehr Zeit quatschend und lachend als mit dem Musikmachen. Die Grundstimmung der Pet Shop Boys ist eine furios gut gelaunte.

Ihr kennt euch seit bald 40 Jahren. Wie sehr ähnelt euer Verhältnis dem eines alten Ehepaares?

Lowe: Bleiben verheiratete Paare denn überhaupt so lange zusammen wie wir? Nicht viele, oder? Das mit uns ist allerdings eher eine Freundschaft als eine Ehe. Wir mögen uns, aber wir haben keinen Sex. Okay, manche Ehepartner vielleicht auch nicht. Jedenfalls: Die Basis unserer Beziehung ist die Musik, und wir lieben beide gute Essen. Ständig probieren wir neue Restaurants aus.

Der letzte Song auf „Hotspot“ heißt „Wedding in Berlin“. Ein wildes Techno-Stück, das den Hochzeitsmarsch von Mendelssohn Bartholdy aufgreift und dessen Refrainzeile „We are getting married, because we love each other“ lautet. Wie viel Ironie steckt in dem Lied?

Lowe: Gar keine! „Wedding In Berlin“ haben wir als Hochzeitssong für einen guten Freund geschrieben. Wir pressten genau ein Vinyl-Exemplar und schenkten es den beiden. Das Lied bildet einen schönen Abschluss unserer Berlin-Abenteuer-Platte. Wenn du es hörst, stellst du dir vor, die Hochzeit hätte im Berghain stattgefunden.

Interview: Steffen Rüth

„Hotspot“ erscheint am 24. Januar. Das Album könnt ihr hier bei Amazon bestellen.

Pet Shop Boys Live

1. 5. Berlin

2. 5. Oberhausen

8. 5. Leipzig

10. 5. Stuttgart

19. 5. München

20. 5. Frankfurt

22. 5. Hamburg

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