„1“ von Peter Schreiner: Keine Angst für Niemand
Für das Debüt „1“ mit seiner neuen Band Die Relevanz hat Deutschrocker Peter Schreiner die Kriegsbriefe seines Opas gelesen – und darin Antworten auf drängende Fragen der Gegenwart gefunden.

Peter Schreiner, du veröffentlichst mit Die Relevanz das Debütalbum „1“. Wenn du dich als modernen 1968er bezeichnest, meinst du damit, dass du früher ein überzeugter Pazifist gewesen bist und heute im Angesicht des Kriegs in der Ukraine anders denkst?
Peter Schreiner: Ich habe mich nie als Pazifist gesehen und werde dies auch nie sein. Gewalt ist zwar keine Lösung, schlussendlich kommt es jedoch auf die Haltung des Gegenübers an. Ich bin da eher pragmatisch veranlagt. Heißt: Wenn’s nicht mehr anders geht, ist Gewalt eben das letzte Mittel. Ich denke schon, dass der Mensch grundsätzlich dafür geschaffen ist, friedlich miteinander zu leben. Und was den Ukraine-Krieg betrifft, bin ich offen der Meinung, dass der Westen, die NATO und vor allem die USA auch ihren Teil dazu beigetragen haben, dass das Ganze so eskaliert.
Peter Schreiner, der Song „Vaterland“ vom Album „1“ klingt wie ein Gespräch zwischen Sohn und Vater über den Krieg. Gab es dieses Gespräch wirklich?
Schreiner: Tatsächlich ist es ein imaginäres Gespräch zwischen mir und meinem Großvater, der 1944 auf der Krim gefallen ist. Er stammte aus einem 200-Seelen-Dorf im Altmühltal, war Bauer und befand sich plötzlich in den Wirren des Zweiten Weltkriegs. In einem seiner Feldpostbriefe an meine Großmutter hat er geschrieben: „Ich frage mich, wie ich überhaupt hierhergekommen bin“. Insoweit war dieser Brief mein Anlass für den Song „Vaterland“.
Eine Warnung an die jüngeren Generationen?
Schreiner: Ja, auf alle Fälle. Freiheit heißt, keine Angst zu haben: vor nichts und niemandem. Wer angstfrei lebt, kann nicht manipuliert werden. Gerade die jüngere Generation wächst in dieser Angstgesellschaft auf, und mein Appell ist einfach: Lasst euch keine Angst machen, sagt was ihr denkt und tut dann das, was ihr sagt. Steht aufrecht und lebt angstfrei.
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