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Konzerte im Livestream: „Press Play“ geht in die 2. Runde

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Eine der beiden Shows im Februar spielt die Dreampop-Poetin lùisa.Foto: Nikolai Dobreff

Im Januar hat die Konzertreihe „Press Play“ mit zwei Shows begonnen. Doch das war nur der Anfang. Die Streaming-Reihe, die vor allem Nachwuchsacts helfen soll, geht im Februar in die nächste Runde. Wir haben mit Joscha Möller von Hypertension Music über das Konzept hinter „Press Play“ und über die Zukunft der Branche gesprochen.

Joscha Möller, was bedeutet Livemusik? Welche Rolle spielt sie in der Gesellschaft?
Joscha Möller: Kultur und Musik ist der Ausdruck des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Seit Beginn der Menschheit gibt es kulturelle und musikalische Aufführungen. Gefühle werden transportiert, Emotionen freigesetzt, und noch dazu ist vor allem Musik eine universelle Sprache, die die Menschen überall und in jeder Lebenslage begleitet und verbindet.

Was ist „Press Play“, und wie ist die Idee dahinter entstanden?
Möller: Unter dem Titel „Press Play – Livestream Konzerte“ bieten wir  in den nächsten Monaten eine Reihe hochwertiger Livestream Konzerte verschiedener Genres an. Zielsetzung war es, ein Abbild zu schaffen der jungen vielfältigen Musikkultur Szene mit allen Ausrichtungen über Deutsch Pop, Singer/Songwriter, Soul bis Metal und Folk. Gerade diese junge Vielschichtigkeit findet in der aktuellen Lage kein Gehör mehr. Wir möchten hier Kultur und Musik fördern und präsentieren, jenseits des Mainstreams der Majors.

„Ein erster positiver Schritt“

Welche Chancen bieten digitale Plattformen für die Branche? Und welche Herausforderungen?
Möller: Ich bin nicht der Meinung, dass Konzerte auf digitalen Plattformen je reale Konzerte ersetzen können oder werden. Momentan bieten digitale Plattformen jedoch eine Möglichkeit, weiterhin aktiv und sichtbar zu bleiben. Ein Programm zu gestalten, welches sich von den reellen Konzerten abhebt und auch von den zahllosen Konzertaufnahmen, die es im Internet gibt, ist hier das Ziel. Wenn dieses Programm dann Künstler*innen und Fans näher zusammenbringen kann, Interaktionsmöglichkeiten durch Fragerunden und Videochatfunktionen ermöglicht und am Ende Fans und Band glücklich sind, ist dies doch schon ein erster positiver Schritt.

Nach welchen Kriterien wurden die Musiker*innen für die Livestream-Reihe ausgesucht? Was macht sie besonders?
Möller: Wichtig war uns, ein möglichst vielseitiges Programm zu gestalten. Von Pop über Soul bis Metal sind verschiedenste Genres vertreten. Unser Programm ist eine Art Abbild der vielfältigen jungen Musikszene, die es in Deutschland gibt. Grade die Bands, die normalerweise in kleineren Clubs spielen und noch keinen großen medialen oder werbegestützten Support finden, sind maßgeblich an der Vielfältigkeit beteiligt. Ich mag mir nicht ausmalen, was passiert, wenn durch die aktuelle Lage viele dieser kleinen Clubs und Kulturstätten nach der Pandemie nicht mehr öffnen werden, sie sind die Keimzelle für die Entwicklung einer lebendigen Musikkultur.

„Konzerte und Touren sind eine finanzielle Belastung“

Gefördert wird „Press Play“ vom Konjunkturprogramm NEUSTART KULTUR der Bundesregierung sowie der Initiative Musik. Wie wichtig sind solche Förderprogramme, um jungen Talenten eine Chance zu geben, ein Publikum zu finden?
Möller: Grade am Anfang ist es für viele junge Talente immer auch eine finanzielle Belastung, Konzerte oder Touren zu spielen. Wenn du als Musiker oder Band keine Gagen oder nur geringe Einnahmen erzielst, kannst du wirtschaftlich nicht überleben. Förderprogramme wie Neustart Kultur oder Initiative Musik sind notwendig, um diese Lücke zu schließen. Auch wenn wir über Ausgestaltungen der Förderungen diskutieren können, sind diese ein wichtiger Bestandteil, um Kultur und Musik gerade in diesen besonderen Zeiten zu erhalten.

Zwei Konzerte im Februar

Wie schon im letzten Monat präsentiert „Press Play“ auch im Februar wieder zwei Shows von aufstrebenden deutschen Acts. Den Anfang machen Odeville am 20. Februar. Die Band aus Hamburg gibt es schon lange: 2006 hat sie sich gegründet und ursprünglich harte Musik zwischen Screamo und Posthardcore gespielt. Doch über sechs Alben haben sich Odeville immer wieder neu erfunden und klingen mittlerweile sogar manchmal nach Pop. Vor drei Jahren haben sie ihre neueste Platte „Rom“ herausgebracht.

Im Gegensatz dazu klingt lùisa viel träumerischer. Die Musikerin und Produzentin hat sich letztes Jahr nach drei Jahren mit der Single „Deep Sea State of Mind“ zurückgemeldet, einem intimen und introspektiven Song. Der ist auch ein Vorbote für ihr neues Album, das bald erscheinen soll. Mit jedem neuen Lied beweist lùisa ihre Vielseitigkeit: Sie schreibt in mehreren Sprachen, singt und produziert ihre Songs selbst und spielt dazu auch noch vorzüglich Gitarre. Ihre Show findet am 21. Februar statt.

Hier noch einmal das ganze Programm der Press-Play-Livestreams:

20. 2. Odeville
21. 2. Lùisa
7. 3. Fayzen
13. 3. Darjeeling und Maria Basel
20. 3. Lyschko
21. 3. Nervling
26. 3. Albrecht Schrader
3. 4. Children
4. 4. Stefanie Hempel & The Silver Spoons
10. 4. Christina Lux & Tokunbo (Songbird Concert)
11. 4. Lagana
16. 4. Lukas Droese und David Beta
17. 4. Mein Elba