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qobuz-Tipp der Woche: „Peaches!“ von The Black Keys

The Black Keys
The Black Keys (Foto: Romeo Okwara)

Auf ihrem neuen Album gehen die Black Keys mit uns zu ihren Wurzeln zurück. Warum funktioniert das noch immer?

Was ist das Geheimnis der Black Keys? Seit 25 Jahren schaffen Dan Auerbach und Patrick Carney das wenn nicht Unmögliche, dann doch immerhin sehr Unwahrscheinliche: Sie sind im Mainstream erfolgreich mit einer Musik, die eigentlich seit Ewigkeiten aus dem Mainstream verschwunden ist. Der Bluesrock des Duos, sein puristischer Ansatz, seine Liebe für mehr oder minder obskure Pioniere des Genres, das alles sollte doch eigentlich in die nischigste aller Nischen verbannt sein – und doch wissen wir alle, wer die Black Keys sind. Wie machen sie das?

„Peaches!“ von The Black Keys: Out now!

Das neue Album „Peaches!“ könnte die Antwort liefern. Es gibt weniger Aufschluss darüber, was die Black Keys ihren Fans bedeuten, als darüber, was Musik für die Black Keys bedeutet. Angefangen hat alles mit einer Tragödie: Dan Auerbachs Vater Chuck hatte gerade erst einen Schlaganfall überstanden, als bei ihm im letzten Herbst Krebs diagnostiziert wurde, an dem er inzwischen verstorben ist. Eine schwierige Zeit, wie auch Auerbachs Kindheitsfreund und Bandkollege Carney erkannt hat: „Es wäre gut für Dan, etwas zu tun zu haben.“ Und im Fall der Black Keys kann dieses Etwas nichts anderes sein, als ein Album aufzunehmen.

Keine Zeit, Songs zu schreiben, keine Zeit, sich ein Konzept zu überlegen. Stattdessen ging es direkt in Auerbachs Studio, mit drei Gastmusikern im Schlepptau. Ein Album sollte daraus eigentlich nicht werden. „Wir haben einfach nur gejammt, für uns“, sagt Auerbach. „Ich glaube, die Krankheit meines Vaters hat dazu geführt, dass mir alles scheißegal war, ich wollte einfach nur schreien.“ Das Resultat sei das natürlichste Black-Keys-Album seit dem Debüt „The big Come up“ aus dem Jahr 2002. „Damals habe ich Songs vorbeigebracht, die wir nur so halb konnten, und wir haben sie einfach gespielt.“

„Ich will, dass es als großartiges Black-Keys-Album wahrgenommen wird.“

Die Songs auf „Peaches!“ kommen aus dem Fundus, den die Black Keys eigentlich für ihre DJ-Sets zusammengestellt haben. Entsprechend ist die Bandbreite größer als noch auf „Delta Kream“, dem letzten Coveralbum von 2021, auf dem sich das Duo ausschließlich dem Hill Country Blues gewidmet hat. Zwar finden sich auch hier wieder Tracks von Genrelegenden wie R. L. Burnside und Junior Kimbrough, aber auch Lieder von Rocker George Thorogood und der britischen Band Dr. Feelgood. Wer sich dabei die Originale anhört, wird nur wenig Ähnlichkeiten finden – immerhin haben die Black Keys ihre Versionen quasi in Echtzeit aufgenommen, ohne sie zu proben. Auerbach musste den anderen die Akkordwechsel per Nicken signalisieren und auch schon mal selbst auf das Effektpedal von Gitarrist Kenny Brown stampfen, wenn der den Einsatz verpasst hatte. Das ist auch der Grund, warum Auerbach „Peaches!“ gar nicht als Coveralbum sieht: „Ich will, dass es als großartiges Black-Keys-Album wahrgenommen wird.“

Kreisen und Kreischen

Auch die Tragödie im Hintergrund ist bei „Peaches!“ immer wieder zu erahnen – hätte man zwischenzeitlich vergessen, dass die Black Keys Blues spielen, hier wird es deutlich wie lange nicht. Die Mundharmonika in „It’s a Dream“ kippt manchmal in ein Kreischen, das so schmerzhaft wie kathartisch klingt. Und Orgel und Hintergrundgesang geben „She does it right“ ein wenig Gospel-Atmosphäre. Die beiden letzten Songs der Platte sind die längsten, für den Schlusstrack „Nobody but you Baby“ gönnt sich die Band sogar mehr als sieben Minuten, in denen sie hypnotisch um ein und denselben Akkord kreist. Das Thema Familie ist hier nicht weit, stammt das Original doch von Junior Kimbrough, der Blueslegende, der die Keys schon mal eine ganze EP gewidmet haben – und dessen Sohn Kinney Kimbrough in „Fireman ring the Bell“ als zweiter Drummer zu hören ist.

Vermutlich liegt hier das Erfolgsgeheimnis der Black Keys: Sie sind Musiker und Songwriter, klar, aber mehr als alles andere sind sie Fans. Sie wissen, was ihr Publikum an ihrer Musik liebt, weil sie selbst dasselbe an der Musik ihrer Inspirationen lieben. Ein bisschen ist es, als hätte man zwei gute Freunde, die sich bestens mit obskurer Musik auskennen – nur dass diese auch noch in Nashville leben und die Songs, statt sie einfach nur aufzulegen, gleich selbst interpretieren. Dazu passt auch das Foto auf dem Albumcover, das wie schon das Artwork zu „Delta Kream“ von dem US-Fotografen William Eggleston stammt. Die Band hat es nicht entworfen, aber sie hat es entdeckt – und zahllosen Fans geschenkt, die es sonst nie gesehen hätten. Dasselbe gilt für die Songs auf „Peaches!“: Wenn Fans sich von ihnen mitreißen, inspirieren, trösten lassen, wissen sie zugleich, dass es Dan Auerbach und Patrick Carney genauso gegangen ist. Wir alle sind Teil der Black-Keys-Familie.

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