FILM

Der Fluch der Religionen

Mitte des 22. Jahrhunderts landet ein Raumschiff der Erde mit zwei Androiden und zwölf tiefgefrorenen Menschenembrionen auf einem unwirtlichen Planeten mit Sauerstoffhülle. Nach beträchtlichem Schwund und hoher Sterblichkeitsrate bei den Kindern überlebt schließlich nur noch eins – Campion. Dann kommen weitere Menschen,  auf der Flucht von der völlig zerstörten Erde. Gläubige Menschen. Und mit ihnen kommen Streit und Auseinandersetzung. Aber sind die atheistischen Adroiden mit  ihrem nüchternen Blick auf Gefahr und ihre Abwehr wirklich die Alternative?

Die Serie „Raised by Wolves“ zeigt eine typische US-Sicht auf das Thema Religion und Glauben. Vor allem der weibliche Android, vom Menschenkind Campion Mutter genannt, wird in deutlich negativen Zügen gezeigt. Wäre sie kein künstliches Wesen, müsste man sagen, sie sei in vielen Momenten hysterisch. Schon in der ersten Folge – sie ist ein Kampfandroid – reißt sie Vater den Prozessor aus dem Leib, weil der in einem elementaren Streitpunkt nicht ihrer Meinung ist. Vater wird erst später wieder reaktiviert, als Mutter ihn braucht. Da nur drei von zehn Folgen gesichtet werden konnten, gilt die folgende Aussage nur unter Vorbehalt: „Raised by Wolves“ zeigt zwar religiöse Auseinandersetzungen durchaus negativ, aber mit der menschlichen Natur erklärbar und begründbar. Atheismus aber wohnt dem Androiden inne, und der ist in seiner anatlytischen Vorgehensweise, zumindest in der Form des Kampfandroiden wie Mutter, ein viel schlimmeres Übel. Mutters Vorbereitungen auf die Angriffe durch die Menschen, ihre Manipulation von Vater und Campion, ihr Auftreten gegenüber den geflohenen Menschen: all diese Interaktionen mit anderen Individuen haben etwas durch und durch Negatives, erinnern an eine dunkle Seite des Androiden Roy Batty aus dem Film „Blade Runner“. Der suchte ganz offen nach dem Sinn des Lebens, nach seinem eigenen Ich und nach Gott. Mutter sucht nach nichts, macht sich aber viele Gedanken.

Ästhetisch ist „Raised by Wolves“ gelungen. Konnte man auf dem kargen Wüstenplaneten mit seinen vielen rumliegenden Knochen und den gezüchteten Kakteen prima Geld sparen, so wird das Geld in den Folgen mit Kriegsgeschehen auf der Erde mit vollen Händen ausgegeben. Letzteres merkt man an den teuer inszenierten Kampfhandlungen. Regie in den ersten beiden Folgen führt Produzent Ridley Scott („Der Marsianer“, „Alien“) persönlich, in drei weiteren Folgen nahm sein Sohn Luke Scott auf dem Regiestuhl Platz. Die HBO-Max-Produktion wird zunächst vom Pay-TV-Sender TNT Serie gezeigt.