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„Real Humans“: Auf Arte spielt die schwedische KI verrückt

Die Schwedische Serie „Real Humans“ ist ein Science-Fiction-Drama und läuft jetzt auf Arte und in der Mediathek von Arte.

Ein Haus im Wald, eine Gruppe scheinbar Wahnsinniger und schließlich ein gefesseltes, totes Ehepaar – was wie ein billiger Horrorstreifen beginnt, entpuppt sich schnell als ein raffiniertes Science-Fiction-Drama: Real Humans (zwei Staffeln auf Arte und in der Arte-Mediathek) spielt irgendwo in der schwedischen Kleinstadt-Idylle. Alles ist steril, pastellfarben und voller Hubots, menschenähnliche Robotern, die wahlweise als Haushaltshilfe, Chauffeur oder Sexpartner dienen. Die versklavten Maschinen werden zwar toleriert, aber nicht bedingungslos akzeptiert. Die Serie erzählt die Geschichte einer Gesellschaft, die durch technokratischen Wahn pervertiert und an ihre moralischen Grenzen gelangt.

Real Humans: Die Science-Fiction-Serie auf Arte

In der ersten Folge des schwedischen Science-Fiction-Dramas macht sich eine Gruppe von Hubot-Outlaws auf in Richtung selbstbestimmtes Leben. Auf der Suche nach einer Stromversorgung für ihre Akkus wird Mimi von zwei Schwarzmarkthändlern entführt, und Leo nimmt, ohne groß zu zögern, die Verfolgung auf – schließlich hatte Mimi ihm kürzlich erst ihre Liebe gestanden. Währenddessen geht Familienvater Hans Engman mit seinem Schwiegervater Lennart auf Hubot-Shoppingtour. Denn Lennarts alte Haushaltshilfe Odin hat den Geist aufgegeben, und Hans wollte sich selbst eh schon lange einen dieser unbeseelten Menschen zulegen. Zu Hause angekommen, entfacht ein Streit mit seiner Frau Inger, die alles andere als froh über das neue Familienmitglied ist, und auch bei Warenlagerarbeiter Roger sorgt ein Hubot für heftigen Beziehungsstress, der zur Trennung von seiner Frau Therese führt. Alle drei Handlungsstränge bringen das Herr-Knecht-Verhältnis zwischen den Menschen und den Androiden ins Wanken, und schließlich stellt sich die Frage, wer hier eigentlich wem gehorcht.

Vor allem in vermeintlich beiläufigen Szenen spiegelt Real Humans präzise aktuelle Gesellschaftsdiskurse wider. Als Hans Engmann seiner Frau im Streit Technophobie vorwirft, trifft die Serie den derzeitigen Ton, der bei Fragen um die Klimakrise laut wird: Hans verkörpert hier das Lager, das die Lösung aller Probleme in technischen Innovationen sieht und den Mahnern kategorische Fortschrittsverweigerung vorwirft. Darüber hinaus bedient sich die Serie der Kraft der Science-Fiction, um uns über Moral und übers Menschsein zu befragen: Ab wann beginnt Leben? Kann ein Leben mehr wert sein, als ein anderes? Ist Liebe in der KI möglich? Diese Fragen sind zwar im Science-Fiction-Kontext nicht bahnbrechend neu, dennoch lohnt es sich, sie immer wieder zu stellen.

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