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Rettungsanker aus den 80ern: Robert Pettersson über sein Album „Deabolo Hypomania“

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(Foto: Chris Rehn)

Wenn Rocker Robert Pettersson für sein Solodebüt zum Pop wechselt, könnte das weniger heavy klingen – wären da nicht die Texte.

Robert, du bist seit Jahren sehr erfolgreich mit zwei Rockbands aktiv. Was hat dich bewogen, jetzt dein erstes Soloalbum in Angriff zu nehmen?

Robert Pettersson: Ich wollte schon sehr lange ein Pop-Album aufnehmen. Privat höre ich eigentlich fast nur noch Pop, Rock so gut wie nie. Ich weiß, das ist ungewöhnlich. (lacht) Chris Rehn, mein Koproduzent, der auch Mitglied meiner Band Takida ist, war sofort an Bord. Nach einer nächtlichen Konversation im Tourbus war klar, dass wir ein Popalbum machen müssen. Als sich dann meine Band Stiftelsen aufgelöst hat, hatte ich endlich Zeit dafür. Chris und ich denken schon über das nächste Album nach.

Was ist neu bei „Deabolo Hypomania“?

Pettersson: Es ist schon ein anderer Sound. Natürlich nutzen wir auch mal die Gitarre, und Fans werden sicher hier und da Ähnlichkeiten zu Takida hören. Aber ingesamt klingt es viel elektronischer. Zuletzt sind wir mit Takida auch in eine immer härtere Richtung gegangen.

Wenn du sagst, du hörst fast nur noch Pop, was genau meinst du damit?

Pettersson: Vor allem höre ich viel Synthwave – und was immer mir der Algorithmus so vorschlägt. Ich weiß nicht, ob ich eine bevorzugte Ära habe, aber ich höre schon sehr lange Pop. Rock läuft natürlich vor den Gigs mit Takida.

Der Pop des Albums hat für mich schon viel von New Wave, manchmal habe ich mich an Depeche Mode erinnert gefühlt.

Pettersson: Ja, es ist ziemlich düster. Und klar, die 80er sind sehr wichtig, sie klingen in den meisten Songs an.

Düster sind ja auch die Texte, in denen du sehr ehrlich mit deiner psychischen Gesundheit umgehst.

Pettersson: Schreiben ist für mich Therapie. Bei mir wurde eine bipolare Störung diagnostiziert, manche Tage sind sehr schwierig – das hat auch den Aufnahmeprozess des Albums beeinflusst. Der Song „You“ ist während einer schwer depressiven Phase entstanden. Ich wusste nicht, was ich tun sollte, also habe ich versucht, meinen Zustand in Worte und Musik zu fassen. Und es hat funktioniert: Ich weiß jetzt, das ich selbst in solchen Momenten, in meinen dunkelsten Stunden schreiben kann. Das fühlt sich an wie ein Rettungsanker. „You“ ist so etwas wie der zentrale Song, die Mutter der anderen Songs auf dem Album.

Wenn man einen Song in einer so dunklen Phase schreibt: Wie entscheidet man dann später darüber, wie genau er klingen soll?

Pettersson: Zum Glück habe ich ja Chris. Ich schreibe Songs meist einfach auf der Gitarre, simple Skizzen, die ich dann mit Chris im Studio verfeinere. Oft sind es seine Arrangements, die den Song erst zu dem machen, was er sein muss. Er ist ein Genie, ich habe keine Ahnung von Technik, Software und so. Deshalb ergänzen wir einander so gut.

Was wünschst du dir, dass Fans von dieser neuen Richtung mitnehmen?

Pettersson: Ich hoffe, sie erkennen, dass es mir gut geht. Wenn man nur auf die Texte schaut, mag alles sehr düster wirken, aber dieses Album hat auch jede Menge Spaß gemacht. Und ich hoffe, dass sie sich für mich freuen! Nicht allen wird diese neue Poprichtung gefallen, aber das ist okay – sie können ja weiterhin Takida hören.

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