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„Direction of the Heart“ von Simple Minds: Je oller …

Gruppenfoto Simple Minds
Foto: Dean Chalkley

Nicht nur musikalisch machen die Simple Minds auf „Direction of the Heart“ noch mal Dampf. Auch in seinen Texten zeigt Sänger Jim Kerr ganz klare Kante.

Jim, das neue Album „Direction of the Heart“ von den Simple Minds klingt prall und motiviert. Nicht schlecht für ein paar Mittsechziger.

Kerr: (lacht) Soll ich mich jetzt bedanken oder beleidigt sein? Nein, ernsthaft, nach 45 Jahren gemeinsamer Geschichte schleicht sich eine Karriere normalerweise langsam aus. Aber wir haben uns echt reingehängt – und es hat sich rentiert. Ich höre die Platte und denke: Wenn alte Knacker so klingen, dann bin ich gerne ein alter Knacker.

Worum geht es in dem peppigen Song „Vision Thing“?

Kerr: Um meinen Vater. 2019 hat sich herausgestellt, dass er nur noch wenige Monate zu leben haben wird. Unser Gitarrist Charlie Burchill, der ihm auch sehr nahgestanden ist, weil wir in derselben Straße aufgewachsen sind, und ich haben viel Zeit in Glasgow verbracht und uns um ihn gekümmert. Der Song ist ein Dankeschön an ihn und an seine Generation.

„Musik muss gar nichts, doch für mich ist es ein Bedürfnis, Stellung zu beziehen und zu einem empathischen Miteinander aufzurufen.“ Jim Kerr im Interview zum neuen Album „Direction of the Heart“ von den Simple Minds.

In „Human Traffic“, einem Duett mit Russell Mael von den Sparks, aber auch in „Who killed Truth“ und „Planet Zero“ wetterst du gegen Klimaleugner und Fake-News-Verbreiter und plädierst für einen menschlicheren Umgang mit Geflüchteten. Muss gute Rockmusik gesellschaftskritisch sein?

Kerr: Nein, Musik muss gar nichts, doch für mich ist es ein Bedürfnis, Stellung zu beziehen und zu einem empathischen Miteinander aufzurufen. Es wird immer schwieriger, aber auch immer wichtiger, den Unterschied zwischen Fakten und Fake zu erkennen. Jetzt haben wir einen Krieg, der von einem vollkommen Verrückten vom Zaun gebrochen worden ist, und die Menschen in den Schlauchbooten ertrinken nach wie vor.

Jim, bei aller Energie, die du verströmst – wärst du gerne nochmal 18?

Kerr: Auf keinen Fall! Wir Alten haben die Aufgabe, so langsam in Richtung Dämmerung zu reiten – auch wenn meine Partnerin immer sagt, ich soll nicht so morbide daherreden. Aber es stimmt: Die junge Generation, meine Kinder und Kindeskinder, sind jetzt am Zug. Mögen sie es besser machen als wir. Ich beneide die Kids nicht um die Herausforderungen, doch ich wünsche ihnen das Beste.