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Die Serie „Sunny“ wirkt wie von der KI entwickelt – und das ist nicht gut

Sunny Apple TV+
Mixxy (Annie the Clumsy), Sunny und Suzie (Rashida Jones) wollen herausfinden, was mit Masa passiert ist. (Foto: Apple TV+)

Eine Amerikanerin und ihr Roboter finden dunkle Geheimnisse in Japan raus. „Sunny“ bei Apple TV+ könnt ihr gucken, müsst ihr aber nicht.

Ab heute gibt es bei Apple TV+ die zehnteilige, dunkle SciFi-Comedy „Sunny“ von Showrunnerin Katie Robbins, mit Sitcom-Star Rashida Jones in der Hauptrolle. Im Japan der nahen Zukunft versuchen die roboterhassende US-Amerikanerin Suzie und ihr freundlicher Homebot Sunny die Gründe für das Verschwinden von Suzies Mann und Sohn aufzudecken. Das hält dann aber doch nicht, was es anfangs verspricht.

Es fängt vielversprechend an in der Verfilmung des Romans „The dark Manual“ von Colin O’Sullivan: Keine Minute ist in der ersten Folge vergangen, da hat die in Kyoto lebende, grundlegend missgelaunte Suzie (Rashida Jones, „The Office“, „Silo“) den ultimativen Grund für miese Laune –  ihr Ehemann Masa Sakamoto (Hidetoshi Nishijima, „Drive my Car“) und ihr kleiner Sohn stürzen mit dem Flugzeug ab, mehr als Masas Turnschuhe findet man aber nicht von ihnen. ImaTech, die Robotik-Firma, für die Masa Kühlschränke gebaut hat, schenkt Suzie den Homebot Sunny, damit sie mit dem Verlust nicht alleine ist. Sunny sieht aus wie eine Mischung aus großem, weißem Staubsauger und frühem iMac und ist für Suzie programmiert. Das freundliche Lächeln auf ihrem digitalen Cartoongesicht vergeht dem Roboter-„Mädchen“ aber schnell. Suzie hasst Roboter und spricht lieber mit den Weinflaschen in der Edelwohnung, die sie nun alleine mit Sunny bewohnt. Freunde hat sie keine, Japanisch lernen kann sie aufgrund einer Lese- und Rechtschreibstörung nicht, zur Kommunikation ist sie auf den Übersetzungs-Ohrstöpsel ihres fortschrittlichen Smartphones angewiesen. Ab und an nervt ihre ultrasteife Schwiegermutter Noriko Sakamoto (Judy Ongg), die gerne hätte, dass ihre Schwiegertochter japanischer wäre.

Dann aber findet Suzie heraus, dass Masa mitnichten nur Kühlschränke entworfen hat, sondern Roboter, in einer geheimen ImaTech-Abteilung. Was hat er ihr in zehn Jahren Ehe noch alles verschwiegen? Ist er wirklich tot? Zusammen mit Sunny, die sie immer mehr schätzen lernt, und der Barfrau Mixxi (Annie the Clumsy) geht Suzie den Hinweise nach – und bald schon kreuzt die Yakuza ihren Weg, die ihre eigenen Pläne mit Sunny hat …

Sunny KI
Suzie und Masa lernen sich kennen – aber kennt sie ihn wirklich? Foto: Apple TV+

„Sunny“ bei Apple TV+: Die Macher und Stars

Showrunnerin Katie Robbins hat schon bei den Serien „The Affair“, und „The last Tycoon“ mitgemacht, da aber als Autorin. Regie bei „Sunny“ haben abwechselnd Lucy Tcherniak („Station Eleven“), Colin Bucksey, Dearbhla Walsh („The Handmaid’s Tale“) und Makoto Nagahisa geführt. Hauptdarstellerin Rahshuia Jones, Tochter des legendären Michael-Jackson-Produzenten Quincy Jones, ist vor allem durch ihre Rollen in den Mockumentary-Sitcoms „The Office“ (US-Version) und „Parks and Recreation“ bekannt. Hidetoshi Nishijima, der ihren Mann Masa spielt, kennt man aus dem wunderbaren Film „Drive my Car“, der 2022 mit dem Oscar als Bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet wurde. Und Annie the Clumsy, die Mixxy spielt, ist eine japanische Singer/Songwriterin.

Unser Urteil

„Sunny“ leidet an denselben Sachen wie die Serie „Eric“ mit Benedict Cumberbatch bei Netflix: Die Hauptfigur ist eher unsympathisch, wobei Suzie hier wenigstens noch teilweise lustige Sprüche macht. Und die titelgebende Figur – dort unsichtbares Monster, hier Dienstroboter – ist mehr Aufhänger für die sonst konventionell erzählte Geschichte, in der die Titelfigur dann gar keine so große Rolle spielt. Sunny verschwindet teilweise sehr lange aus der Handlung, die sich mit zunehmender Dauer immer mehr zur  vorhersehbaren, teils albernen Action-Comedy mit Verfolgunsgjagden entwickelt, wie wir sie aus Hollywood schon seit den 80ern kennen. „Nummer 5 lebt“ von 1986 lässt grüßen! Die guten Amateurdetektive kommen immer irgendwie aus dem Schlamassel raus, die bösen Mafiosi sehen gefährlich aus, sind aber dann doch eher dämlich. Und wenn das nicht hilft, passiert ein unglaublicher Zufall oder die Szene endet einfach, ohne dass das Gesehene wieder aufgenommen und fortgeführt wird. Daher lässt einen der erwartbare, aber müde Cliffhanger hinüber zur wohl folgenden zweiten Staffel am Ende auch eher unmotiviert zurück. Wenn nicht ab und an richtig Blut spritzen würde, das Ganze wäre etwas für junge Teens.

Sunny Apple
Sunny und Suzie: Ein Team wieder Willen. Foto: Apple TV+

Zum brandaktuellen Thema der Grenzen und Chancen von Künstlicher Intelligenz hat die Serie „Sunny“ bei Apple TV+ wenig zu sagen. Roboter sind hier kognitiv und emotional lernfähig, aber auch potenziell gewalttätig und manipulierbar. Leider wird das auf so einfache Weise verfolgt wie der erste Mikrochip schlicht war. Hier wurde offenbar ein Stoff gesucht, der zwar die wichtigen Themen unserer Gegenwart aufgreift, aber dabei nicht zu komplex ist und möglichst massentauglich daherkommt.

Schade: Die Vision der nahen Zukunft, in der Roboter im Leben der Menschen integriert sind, eine auch optisch faszinierende Dystopie, hat zu Beginn einen atmosphärischen Sog, der sich später als laues Lüftchen herausstellt. „Sunny“ verspricht mehr, als eingehalten werden kann. Ein wenig so, als hätte eine KI das letzte kreative Wort gehabt …

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