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Tanzfestival Rhein-Main: In die Fläche

Das Tanzfestival Rhein-Main versammelt Ende des Monats hochkarätige Gastspiele. Es zeigt aber auch, wie stark sich die südhessische Tanzszene zuletzt gewandelt hat.

Tanzfestival Rhein-Main 2026
„Encantado“ von Lia Rodrigues (Foto: Sammi Landweer)

Vorab eine kleine Regionalgeschichte des Tanzes: Die Region hat sich verändert. War es bis zur Jahrtausendwende noch klar, dass es um Frankfurt geht, wenn von Tanz im Rhein-Main-Gebiet die Rede war, so hat sich der Fokus mittlerweile stärker in die Fläche verschoben. 2003 löste William Forsythe die legendäre Ballettcompagnie an den Städtischen Bühnen Frankfurt auf und gründete die private Forsythe Company, die er 2015 verließ. Seither agiert das Ensemble weniger lokal gebunden als Dresden Frankfurt Dance Company. Ein Jahr zuvor hatten die Staatstheater in Wiesbaden und Darmstadt ihre (eher kleinen) Tanzcompagnien aufgelöst und ein neues, gemeinsames Ensemble gegründet, das Hessische Staatsballett, das mit 28 Tänzer:innen durchaus internationale Strahlkraft besaß und schnell auch überregionale Erfolge feiern konnte.

2016 veranstalteten dann das Frankfurter Produktionshaus Mousonturm und besagtes Hessisches Staatsballett erstmals das Tanzfestival Rhein-Main und brachten so mit einem Schlag neue künstlerische Handschriften nach Südhessen. Und zwar jetzt nicht mehr nur nach Frankfurt, sondern auch nach Offenbach, Darmstadt und Wiesbaden – das anvisierte Publikum hatte sich mit einem Schlag deutlich vergrößert, auch ging es plötzlich diverser zu. Allerdings verlor die Szene ein bisschen das Zentrum. Der Mousonturm nimmt da zwar mehr oder weniger die Funktion eines Festivalzentrums ein, allerdings sind dessen Bühnen verhältnismäßig klein, die wichtigsten, spektakulärsten Programmpunkte finden andernorts statt. Und von Hanau im Osten bis Wiesbaden im Westen sind es 60 Kilometer, per Bahn braucht man um die 80 Minuten – klassisches Festivalhopping ist da nicht drin.

Festivaleröffnung Companie Marie Chouinard „Magnificat“ Foto: Foto: Sylvie-Ann Paré

Nichtsdestotrotz gibt es auch dieses Jahr ein spannendes Tanzprogramm, diesmal unter dem Motto „Moving Democracy“, was Demokratie als „lebendige, körperlich erlebbare Praxis“ versteht. Auf der Bühne hat das zwischen dem 30. 10. und dem 15.11. unter anderem Gastspiele von Lia Rodrigues („Borda“ im Mousonturm, „Encantado“ im Staatstheater Darmstadt), Ali Chahrour („When I saw the Sea“, im Frankfurt LAB) und Dana Michel („You cannot can“ im Hallenbad Höchst) zur Folge.

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