Zum Inhalt springen

Der Tod hat Humor

|

In der dritten Staffel der Serie „The Kominsky Method“ auf Netflix liegen bei Sandy Kominsky Freud und Leid sehr nah beieinander.

The Kominsky Method
THE KOMINSKY METHOD (L to R) MICHAEL DOUGLAS as SANDY KOMINSKY in episode 304 of THE KOMINSKY METHOD Cr. ANNE MARIE FOX/NETFLIX © 2021

Schwarzer Humor, mit tiefer Menschlichkeit serviert: Das ist das Markenzeichen der Serie „The Kominsky Method“ auf Netflix mit Michael Douglas in der Hauptrolle. Doch jetzt kommt es für Sandy Kominsky knüppelhart: Sein bester Kumpel aus den ersten beiden Staffeln, Norman Newlander (Alan Arkin), ist gestorben, und die neue Staffel beginnt direkt mit der Trauerfeier zur Beerdigung. Und weil Norman ein liberaler Jude war, redet kein Rabbi auf der Trauerfeier, dafür aber die On-Off-Alkoholikerin und Tochter Phoebe (Lisa Edelstein, „House“) und der Enkel und verschrobene Scientologe Robbie. Vor allem letzterer entwickelt in den weiteren Folgen thetanisch-aggressive oder wahlweise unterwürfige Formen, um an das Erbe des verstorbenen Milliardärs zu gelangen. Und wer verwaltet das Erbe? Natürlich Sandy. Der hat aber zunächst zwischen Bandscheibenproblemen und der Dankbarkeit einer russischen 2000-Dollar-Hure sein eigenes Spielfeld.

Doch ist der Erbschaftssteit, der selbst bis in Sandys eigene Familie vordringt, nicht das einzige dominierende Thema der dritten und letzten Staffel der Comedy-Serie, die diesmal nur sechs Folgen aufweist. Eine Schülerin in Kominskys Schauspielschule ergattert für das Remake der Gerichtsmedizinerserie „Quincy“ die Rolle der Assistentin. Den Gerichtsmediziner aber spielt kein Geringerer als Morgan Freeman. Wobei das schon wieder falsch ist: Freeman spielt einen non-binären Gerichtsmediziner, was schon beim Dreh des Piloten der Serie zu unglaublichen, politisch dafür bombensicher korrekten Dialogen während der Autopsie führt. Der schönste Satz dabei: „Die Kugel ging durch die Autotür wir ein inkontinenter Republikaner in eine Unisex-Toilette.“

Als dann auch noch Sandys Ex Roz Volander (Kathleen Turner) – ihr Handy zeigt „Asshole“ an, wenn Sandy anruft – einfliegt, weil sie sich um die Hochzeit der gemeinsamen Tochter Mindy (Sarah Parker) und deren Freund Martin (Paul Reiser) kümmern will, geht es in Sandys Leben immer turbulenter zu. Trauer, Geld, Vertrauen und hanebüchen-dumme Aktionen der Erbschleicherei bestimmen die ersten drei Folgen. Politische Korrektheit bei Geschlechterdiversität in Sprache wie im echten Leben bahnt sich als großes nächstes Thema an, wobei „The Kominsky Method“ als politisch oft unkorrekt operierende schwarzhumorige Serie die beste Spielwiese für solche Themen ist.