The Magnetic Fields

Endlich steht einer der weltbesten Songschreiber wieder auf deutschen Bühnen. Zur aktuellen CD „i“ kehren Stephin Merritt und seine Magnetic Fields mit Folkpop und Ballsaalpomp zurück. Ein Interview über Rassismus, Liebe und Heroin.

citymag: Stephin, du hast mal einen Kritiker fertiggemacht, weil der seine CD-Sammlung nach Genres sortiert. Wie ordnest du denn die eigene Plattensammlung?

Stephin Merritt: Ich sortiere nach dem Alphabet und habe keine unterschiedlichen Abteilungen. Genres sind in der Popmusik ein ganz großes Problem, weil die meisten Genres rassistisch und fremdenfeindlich sind. Weltmusik ist die schrecklichste Bezeichnung, aber auch Soul und R’n’B sind rassistisch, Country wird über eine US-Minderheit mit Südstaaten-Akzent definiert, und jede Musik, die aus Jamaika kommt, bezeichnet man in den USA als Reggae. Wenn Buchhandlungen ihre Bücher so sortieren würden wie Plattenläden ihre Platten, dann gäbe es Massenproteste vor den Buchläden. Die Abschaffung von Musikgenres ist für mich eine ganz wichtige Mission.

citymag: Was sollte denn links und rechts von der neuen Magnetic-Fields-CD „i“ im CD-Regal stehen?

Merritt: Links müssten natürlich alle anderen Magnetic-Fields-Alben stehen, und rechts – da kann ja erst mal freier Platz bleiben.

citymag: Hast du die Platte „i“ genannt, weil es dein intimstes, vielleicht sogar dein egoistischstes Album ist?

Merritt: Oh, nein, der Titel bedeutet nicht „Ich“, sondern meint einfach nur den Buchstaben „i“. Alle Songtitel auf der Platte fangen mit diesem Buchstaben an. Ich wollte einfach tiefstapeln, schließlich hatte ich davor die Box „69 Love Songs“ mit drei CDs gemacht. 69 Liebeslieder sind verdammt schwer zu überbieten. Statt über ein lyrisches Thema sind die Lieder diesmal ganz trivial durch diesen Anfangsbuchstaben verbunden. Wenn ich mal eine Platte „h“ nenne, dann sind da aber nur Lieder über Heroin drauf.

citymag: Gibt es darüber denn noch so viel zu sagen?

Merritt: Stimmt, es gibt schon so verdammt viele Platten über Heroin – aber eben noch keine von mir. Ich habe zwar nur ein einziges Mal aus Versehen Heroin genommen, aber wenn es danach ginge, dann hätte ich auch keine Platte über die Liebe machen dürfen. Beim Buchstaben „f“ wäre das Thema klar – und überhaupt alles viel einfacher.

Interview: Carsten Schrader

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