The Power of the Arts Elfriede Buben Philip Morris
Elfriede Buben

KUNST | Interview

The Power of the Arts: Warum es wichtig ist, Sichtweisen zu verändern

Frau Buben, seit 2017 zeichnet die Initiative „The Power of the Arts“ der Philip Morris GmbH Kunst- und Kulturprojekte aus. Was ist die Idee des Förderpreises und um was genau geht es Ihnen dabei?

Elfriede Buben: Die Idee ist 2015 entstanden, als wir viele Menschen aus anderen Ländern und Kulturen zu uns nach Deutschland kommen sahen. Wir wollten einen Beitrag für die Integration der Geflüchteten leisten und sind davon überzeugt, dass Kunst verbindet, da sie neue Sichtweisen ermöglicht. Bei den Projekten, die wir fördern, geht es vor allem um den Austausch unterschiedlicher Kulturen und Kunstformen. Wir haben also versucht, den sozialen Ansatz mit unserem kulturellen Engagement zu verknüpfen.

In diesem Jahr unterstützen Sie statt vier gleich zehn Projekte. Warum ist es gerade jetzt in der Corona-Krise so wichtig, mehr Projekte zu berücksichtigen?

Frau Buben: Für viele Kulturschaffende, gerade die, die mit Publikum arbeiten, ist es mit fehlenden Einnahmen schwierig, ihre Projekte durchzusetzen. Oft gibt es wenig Rücklagen, da es in der Kunst nicht in erster Linie darum geht, Gewinne zu machen. Es geht darum, Erkenntnisse zu gewinnen, schöpferisch tätig zu sein, sich auszudrücken. Wir denken, dass vielen Projekten  20 000 Euro helfen können, weiterhin ihre Ideen zu realisieren. Es wäre sehr schade, wenn diese nicht verwirklicht werden können, denn die Projekte sind alle einzigartig!

Welcher Kunstbereich wird aus Ihrer Sicht nach Corona am stärksten auf Förderung angewiesen sein?

Frau Buben: Das wird natürlich die freie Szene sein! Vor allem die darstellenden Künstler, all diejenigen, die live vor Publikum auftreten oder mit anderen zusammenarbeiten. Alle, die auf Nähe und Auftritte angewiesen sind.

… bedeutet das dann, dass sich die Projektförderung eher auf die freie Szene richtet?

Frau Buben: Das zum Teil auch. Es sollten aber schon Projekte sein, die von gemeinnützigen Initiativen gestartet werden. Die Idee basiert auf einem Miteinander. Es wird also schwer sein, einen Einzelkünstler zu unterstützen. Es sollte darum gehen, dass man sich austauscht, zeigt, dass man gleichberechtigt ist. Vielleicht gibt es auch Projekte, die dadurch entstehen, dass sich Einzelkünstler zusammentun.

In der Politik scheint der Kultursektor nicht gerade an erster Stelle zu stehen, wenn es um Unterstützung in der aktuellen Situation geht. Glauben Sie, dass Sie mit Ihrer Initiative bzw. mit der Philip Morris Stiftung einen umso wichtigeren Gegenpol dazu leisten, oder sollte dies mehr in staatlicher Verantwortung liegen?

Frau Buben: Ich denke, dass der Staat nicht alles bis ins Kleinste regeln und lösen kann. Aber wir wollen auch nicht die Aufgaben des Staates ersetzen. Nichtsdestotrotz würde ich mir grundsätzlich immer mehr Investition in Kunst und Kultur wünschen. Wir sehen unser Engagement als Ergänzung und Beitrag im Rahmen unserer gesellschaftlichen Verantwortung. Dazu gehört einerseits die Initiative „The Power of the Arts“, andererseits unterstützen wir auch gerade in dieser Krise diejenigen, die sehr stark betroffen sind, wie Kulturschaffende, Einzelhändler und soziale Organisationen, mit insgesamt 1,6 Millionen Euro.

Welche gesellschaftliche Verantwortung sehen Sie gegenüber dem Kunst- und Kulturbereich?

Frau Buben: Ihn zu achten und zu ehren – und froh zu sein, dass wir ihn haben! Der Kunst- und Kulturbereich ist ein ganz wichtiges Scharnier in unserer demokratischen Gesellschaft. Menschen und Institutionen zu haben, die die Dinge aus einem anderen Blickwinkel heraus betrachten, den Finger in die Wunde legen, die Wirklichkeit anders abbilden – all das eröffnet neue Perspektiven. Darum geht es am Ende doch, Sichtweisen zu verändern und aufeinander zuzugehen!

Inwiefern kann die Projektförderung zu einer offenen Gesellschaft beitragen und dazu, ein reflektiertes Miteinander zu entwickeln und zu pflegen, letztlich selbst Sinnstiftung zu sein?

Frau Buben: Zum einen stellen wir die Gelder zur Verfügung und zum anderen kommunizieren wir, dass diese Projekte inhaltlich wichtig sind. Wir helfen den Projekten dabei, sich stärker präsentieren zu können. Damit zeigen wir, dass Menschen und die Kunst aus anderen Kulturen, oder Menschen mit körperlicher oder sozialer Beeinträchtigung, gleichberechtigt sind. Wir wollen Bereiche sichtbar machen, die immer noch nicht genügend wertgeschätzt werden, und es wäre schade, wenn wir sie nicht sehen würden. Manches braucht vielleicht auch etwas Zeit. Es muss ja nicht jeder alles gut finden, aber allein die Auseinandersetzung damit bringt, einen schon ein Stück weiter.

Worauf kommt es bei den eingereichten Projekten an, was müssen die Bewerber*innen mitbringen, um Chancen auf eine Förderung zu erhalten?

Frau Buben: Die Projekte sollten auf jeden Fall gemeinnützig sein. Die Grundidee ist es, sich für soziale und strukturelle Gleichberechtigung einzusetzen, die Verständigung zu fördern und zu versuchen, strukturelle, soziale und kulturelle Barrieren abzubauen.

Wie verfolgen Sie die geförderten Projekte?

Frau Buben: Über die sozialen Medien. Dort erfahren wir, was sich tut, und reposten oder liken es. Andererseits kontaktieren wir sie auch regelmäßig, um z.B. zu hören: „Wie geht es euch in der Krise, können wir irgendwie helfen?“. Aber auch um zu erfahren, was es Neues gibt, welche Auftritte anstehen. Das zeigen wir dann auf unseren Social-Media-Kanälen – wenn sie es wollen, natürlich.

Interview: Janka Burtzlaff