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Thees Uhlmann auf Lesereise

Cover Uhlmann

Da soll noch mal einer die Augen verdrehen, wenn Musiker sich an einem Roman versuchen: Mit „Sophia, der Tod und ich“ hat Thees Uhlmann den kulturnewsAward 2015 gewonnen und sogar Don Winslow und Jonathan Franzen in die Schranken verwiesen.

Vor der Tür des Erzählers steht ein Mann, der behauptet, der Tod zu sein und der Erzähler habe nur noch drei Minuten zu leben. Doch irgendwas läuft schief, und die Restlebenszeit des Erzählers verlängert sich. Es bleibt noch Zeit für einen aberwitzigen Roadtrip: Gemeinsam mit seiner Mutter, dem Tod und seiner Exfreundin Sophia macht er sich auf den Weg zu seinem siebenjährigen Sohn, den er seit Ewigkeiten nicht gesehen hat, dem er aber jeden Tag eine Postkarte schreibt.

Ab Ende Januar ist Thees Uhlmann wieder auf Lesereise:

20.01. Osnabrück, Rosenhof
21.01. Frankfurt, Brotfabrik
22.01. Ulm, Roxy
25.01. München, Ampere
26.01. Bremen, Modernes
27.01. Essen, Zeche Carl
28.01. Bayreuth, Leselust Festival
29.01. Dresden, Schauburg
08.03. Bielefeld, Ringlokschuppen
09.03. Saarbrücken, Camera Zwo
10.03. Darmstadt, Centralstation
11.03. Aachen, Kulturfestival X
12.03. Koblenz, Koblenzer Literaturtage „ganzOhr“
13.03. Köln, lit.COLOGNE
18.03. Augsburg, Musikkantine
19.03. Weissenburg, Wildbadsaal
22.03. Stuttgart, Im Wizemann
10.04. Husum, Husum Harbour
20.05. Berlin, Columbia Theater
21.05. Hamburg, Große Freiheit 36

Hier unser Interview zu „Sophia, der Tod und ich“:

Thees, wenn man mit Sven Regener über Element Of Crime spricht, ist duzen für ihn okay, aber wenn es um seine Romane geht, bevorzugt er es, mit Herr Regener angesprochen zu werden. Soll ich jetzt Herr Uhlmann sagen?
Thees Uhlmann: Ich genieße es sehr, mit meinem Buch in die Verlagswelt rein zu schnuppern, die sich schon sehr vom Musikgeschäft unterscheidet. In dieser Branche ist das Geschlechterverhältnis wesentlich ausgeglichener und wird nicht so von Alphatieren dominiert. Die Leute – zumindest in meinem Verlag – sind alle sehr freundlich und dezent. Mir kommt es so vor, als ob das alles Bücherjungs und Büchermädchen sind, die bis zum 18. Lebensjahr 1000 Bücher gelesen und sich dann gedacht haben, sie können eigentlich auch beruflich was mit Büchern machen. Man kann in dieser Branche älter werden als in der Musik, es bringt Spaß, dass es ein bisschen seriöser ist – aber deswegen können wir trotzdem bei Thees bleiben.

Anders als bei vielen Kollegen kommt das Thema Musik in deinem Roman dankenswerterweise nicht vor.
Uhlmann: Das war von Anfang an klar, und den Vertrag mit Kiwi habe ich ja auch schon seit zwölf Jahren. Meine Lektorin hat mich damals gefischt, als „Hinter all diesen Fenstern“ von Tomte rauskam, weil ich zu den Texten noch Linernotes geschrieben hatte, die sie aus irgendeinem Grund toll fand.
Hat dich das nicht unter Druck gesetzt, mehr als zehn Jahre mit dem Wissen zu leben, irgendwann ein Buch veröffentlichen zu müssen?
Uhlmann: Ich schätze meine Lektorin privat wie auch beruflich und fühlte mich daher auch seit zwölf Jahren ihr gegenüber in einer Bringschuld. Ein starkes Gefühl. Gerade für einen Mann! Als ich mein erstes Geld mit Musik verdient habe, war ich sogar einmal bei Helge Malchow, dem Chef von Kiwi, und sagte ihm, dass ich jetzt genug Geld hätte, den Vorschuss zurückzuzahlen und schuldenfrei zu sein. Doch der hat nur geantwortet: Passen sie mal auf, Herr Uhlmann, auf das Buch von dem Bob Dylan habe ich 40 Jahre lang gewartet. Das hat mich beruhigt. Und der Vergleich hat mir natürlich auch ziemlich gut gefallen.

Ein Bücherjunge bist du aber bestimmt nie gewesen, oder?
Uhlmann: Mein Bruder hat sich immer in Büchern vergraben und wirklich alles gelesen, was er in die Finger bekommen hat. Ich habe pro Jahr eher nur zwei Bücher gelesen, aber die habe ich dann auch doll geliebt. Das ist jetzt auch noch so, zuletzt war es „Tschick“ von Herrndorf: Ich habe laut lachend im ICE gesessen, und kurz darauf hatte ich Tränen in den Augen. Ich würde gern mehr lesen, aber oft fehlt mir einfach die Zeit dazu.

Ganz eigentlich ist „Sophia, der Tod und ich“ gar nicht dein erstes Buch – oder möchtest du die Tocotronic-Tourtagebücher gern unter den Teppich kehren?
Uhlmann: Tocotronic möchten die vielleicht gern unter den Teppich kehren, aber ja, die gibt es. Aber das ist schon 16 Jahre her, und damals habe ich nur eine Realität abgebildet und war einfach Chronist und Busfahrer. Gefühlsmäßig hatte das Schreiben von damals mit dem Roman nichts zu tun. Dieses Mal habe ich es wirklich einfach genossen, abtauchen und lange an einer Sache arbeiten zu können. Dass ich auf 300 Seiten Frauen, Städte, Situationen, Biografien zum Leben erwecken konnte, war eine wunderbare, mir bis jetzt unbekannte Erfahrung.

Die Musik kommt zwar nicht vor, aber es gibt trotzdem einige biografische Bezüge: Der Protagonist ist Anfang 40, Fußballfan und hat ein Kind …
Uhlmann: Ich glaube, dass auch „Herr der Ringe“ oder „Game of Thrones“ Bezüge zum Autor haben. Es wird eine bestimmte Sicht auf die Welt durch die Augen des Autors oder der Autorin vermittelt. Deswegen hat auch dieses Buch einen Blick auf die Welt durch meine Augen. So viel Biografisches ist aber nicht drin. Ein zentraler Punkt für viele Menschen auf der ganzen Welt ist es doch, dass man sich mit über 28 im Endeffekt dann doch mit seinen Eltern gut verstehen will. Scheißegal, was davor war: Wenn es ganz schlimm war, dann geht das vielleicht nicht, aber wenn es nur halbschlimm war, dann geht das irgendwann und es wird irgendwie immer ein bisschen besser, weil beide Seiten ihre eigene Sterblichkeit spüren. Das ist eine Sache, über die alle nachdenken, und deswegen bringt es mir auch Spaß, dieses Thema in dem Buch zu verhandeln. Das Abklopfen von absurden Familienprozessen zieht sich ja auch ein bisschen durch die Musik, die ich gemacht habe. Wobei es auch komisch ist, dass das immer so stark mit mir assoziiert wird. Eigentlich ist es ein ganz universelles Thema, mit dem Künstler sich nun mal rumschlagen. Jonathan Franzen hat ja sogar 1200 Seiten über eine Familie aus dem Mittleren Westen rausgehauen. Familie und Freundschaften sind einfach die schönste leere Leinwand, auf die man malen kann.

Interview: Carsten Schrader

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