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„Tokyo Vice“ Starzplay zeigt neue Serie von Michael Mann

Streaminganbieter Starzplay zeigt mit der Serie „Tokyo Vice“ die Machtkämpfe der Yakuza. Autor: Jake Adelstein. Regisseur: Machael Mann.

Die von HBO produzierte Serie Tokyo Vice (ab sofort auf Starzplay) nimmt die Machtkämpfe der Yakuza, der japanischen Mafia, aber auch ihre Geschäftsbereiche von Drogenhandel bis Versicherungsbetrug in den Blick. Basis der Serie ist das Buch „Tokyo Vice: Eine gefährliche Reise durch die japanische Unterwelt“, und man fragt sich, ob Autor Jake Adelstein nicht schon im Jahr 2011 den Regisseur, Produzenten und True-Crime-Experten Michael Mann („Miami Vice“) für die Verfilmung im Blick hatte. Und in der Tat: Michael Mann war bei der Verfilmung nicht nur Exekutive Producer, sondern auch noch Regisseur der ersten Folge und gab damit die filmästhetische Ausrichtung vor.

Die Handlung der Serie Tokyo Vice wird dominiert vom Leben Jake Adelsteins in Tokio. Der US-Amerikaner Adelstein hatte um die Jahrtausendwende als unmöglich Angenommenes erreicht: Er absolvierte erfolgreich den Aufnahmetest einer der erfolgreichsten Zeitungen Japans und wurde für diese politischer Journalist. Er integrierte sich optimal in Kultur, Gebräuche und Sitten Japans, sprach sehr gut die Sprache, vor allem aber: Voller Offensivdrang und mit großer Frechheit (oder Naiviät?) ging er gleichermaßen auf Polizisten als auch auf Yakuza-Verbrecher zu, baute in alle Richtungen Kontakte und gar Freundschaften, ohne als Journalist je seine berufliche Unabhängigkeit zu verlieren.

Die Serie Tokyo Vice zeigt die Verwerfungen innerhalb der Yakuza nicht nur aus Jake Adelsteins Sicht, die Kamera folgt genauso einzelnen Akteuren der rivalisierenden Untergruppen der Mafia, zeigt die Machtkämpfe und, wie sich diese auf die Polizei und die Medien auswwirken. Sie lässt sich viel Zeit beim Ausleuchten der Charaktere – Adelsteins Offensivdrang, die Strategie einzelner Polizisten bei der Stabiliserung des Gleichgewichts in der Unterwelt, das Hineinwachsen des Unterwelt-Nachwuchses in Verantwortung und Gewalt sowie auch die Versuche von Hostessen in einem sowohl für die Presse als auch die Yakuza wichtigen Nachtklub, sich zu behaupten.

Es sind acht Stunden Retro-Crime, die Tokyo Vice uns bietet. Es verblüfft, wie viel Papier bei der Produktion einer Zeitung noch im Jahr 2001 in Tokio in der Redaktion noch Verwendung findet, Frauen- und Männerbilder wirken etwas aus der Zeit gefallen, auch der Antisemitismus im Tokio der Jahrtausendwende ist erstaunlich ausgeprägt, wenn auch nicht im geringsten handlungsbestimmend; in der Summe ist die Serie ein gelungenes Stück Verbrechens- und Zeitgeschichte mit starkem Personal vor der Kamera: Ansel Elgort (West Side Story) gibt den unbekümmert zwischen den Polen pendelnden Journalisten Adelstein, Ken Watanabe spielt seinen väterlichen Freund Hiroto Katagiri bei der Polizei, und Show Kasamatsu seinen jugendlichen Freund Sato bei der Yakuza, mit dem er um die gleiche Frau rivalisiert: die von Rachel Keller gespielte Hostess Samantha Porter („Legion“). Lange Zeit agiert Tokyo Vice extrem ruhig in der vibrierenden Stadt Tokio, dann aber, nach einigen Folgen, kommen Eruptionen der Gewalt, wunderbar choreografierte Kampfszenen, aber auch die Folgen in der Psyche einzelner Menschen, die man auch posttraumatische Störungen nennen könnte, werden ganz klar gezeichnet.

 

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