„Transit Times“: Zeiten des Umbruchs
Moldawien in den 90ern: Nach dem Ende der Sowjetunion kämpft eine Familie ums finanzielle Überleben.
Wieder nichts verkauft. Zinas Ehemann, der Künstler Victor (Ion Munteanu), kommt entmutigt von einem Wochenmarkt in der moldawischen Hauptstadt Chişinău nach Hause. Die Menschen kaufen Kartoffeln, aber keine Gemälde. Fünf Jahre sind vergangen, seit sich das kleine Land 1991 für unabhängig erklärt hat. Doch die wirtschaftliche Lage hat sich mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion weiter verschlechtert. Die Bühnenbildnerin Zina (Marina Palii) hat schon seit Monaten kein Gehalt mehr erhalten. Aus der Not heraus musste die Familie bereits das Klavier verkaufen, und nun kann Tochter Eva (Arina Mura) nicht mehr für das ihr so wichtige Konzert üben. Wer mutig genug ist, verlässt das Land, das keinerlei Perspektiven bietet. Es sind gute Zeiten für Passfälscher, zwielichtige Investoren und Menschenhändler, die jungen Frauen falsche Versprechungen machen. Währenddessen halten sich ewiggestrige kommunistische Parteikader noch immer für die Hüter von Moral und Ordnung.
Die deutsch-moldawische Filmemacherin Ana-Felicia Scutelnicu hat diese Zeit des radikalen gesellschaftlichen Um- und Zusammenbruchs als Kind selbst erlebt. In „Transit Times“ schildert sie den schleichenden Zerfall sozialer Beziehungen am Beispiel dieser Familie und ihres Umfelds. Sie verzichtet dabei auf zugespitzte Dramatik und legt großen Wert auf psychologische Schärfe sowie ein detailgenaues Setting – seien es ein zerfallendes Kloster, staatliche Kulturpaläste, die ihre besten Tage längst hinter sich haben, oder ärmliche, heruntergekommene Wohnungen. Das verleiht diesem Familien- und Gesellschaftsdrama große Authentizität und der Zerrissenheit seiner Figuren die entscheidende Glaubwürdigkeit.