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„Trip ich??“ Aufstieg des Wiener Indieboys Joshua Pepe

Joshua Pepe
Wien ist in Sachen Pop-Newcomer:innen das coolere Berlin. Joshua Pepe ist ein weiterer Beweis dafür. (Foto: Joshua Pepe)

Am Freitag erscheint sein neuer Song „Engelsblick“. Schon Tage vorher sorgte Newcomer Joshua Pepe mit Snippets davon für Aufsehen. Es riecht nach Senkrechtstart – aber ist das gut so?

Seit ein paar Tagen flutet ein junger Typ in Fake-Pelz Instagram mit Reels. Sein Name ist Joshua Pepe. Die Videos des Mitzwanzigers sind erst einmal nicht weiter ungewöhnlich: Zu Snippets seiner eigenen Songs tanzt der Indiepop-Boy lässig rauchend durchs Studio oder das verschneite Wien, dazu Captions wie „Wartet kurz hab ich grad einen Banger recordet oder trip ich??“. Perfektes TikTok-Marketing also. Was dem jungen Wiener wiederum nicht vorzuwerfen ist. Werden Künstler:innen im Kampf um die Aufmerksamkeit doch zunehmend dazu gezwungen, selbst zu Content Creatorn zu werden. Zumal uns Joshua Pepe weder Rabattcodes noch Nahrungsergänzungsmittel andrehen will. Und gezwungen wirkt bei dem Indiepop-Boy, der seine Songs selbst produziert und Instrumente einspielt, ohnehin nichts.

Zu seinem neusten Song „Engelsblick“, der am 27. Februar erscheint, hat Pepe gleich zwölf (!) Reels gepostet. Jedes Mal werden die selben 27 Sekunden des Songs angespielt, die Captions begleiten hingegen die wachsende Aufmerksamkeit: von „Hab den gestern gepostet heute haben sich meine Follower vervierfacht was geht ab??“ zu „Wenn dieses Video 200 likes bekommt kündige ich meinen Job und nehm Musik ernst“ zu „Ich hab grad gekündigt wegen euch ziehen wir jetzt gemeinsam durch?“ zu „Hab den gestern gepostet heute haben mir 8 Labels geschrieben was passiert grad??“. Ein Hype, das passiert grad. Und so tümmeln sich in der wachsenden Followerschaft des Emporkömmlings neben deutschen Indiepopfans plötzlich Feuilletonisten, Tastemaker und natürlich auch A&Rs der großen Major-Labels.

Joshua Pepe: Mit ein paar Reels zum Major-Label?

Die Stimmung in den Scouting-Abteilung der Musikindustrie dürfte die letzten Tage über zittrig gewesen sein, sollte stimmen, dass gleich acht Labels um die Gunst des jungen Österreichers gebuhlt haben. Und auch der Verfasser dieses Textes kann sich nicht davon freimachen, gleich aufgeregt bei Instagram reingefolgt zu sein, in der Hoffnung, die Originstory eines Rising Stars hautnah mitzuerleben. Schließlich will man doch dabei sein, wenn etwas großes passiert, um irgendwann behaupten zu können: Ich kannte ihn schon lange vor dem großen Erfolg.

Fest steht: Labels, gerade die Majors, haben schon immer ihre Talente von der Straße (heute Social Media) weggescoutet. Je unbekannter, desto besser. Da ist der Fall nicht so tief, das eigene Kapital-Risiko gering. Und natürlich ist es für jeden jungen Artist verlockend, einen Vertrag vor sich liegen zu sehen, der einem genau das verspricht, wovon man immer geträumt hat: von der eigenen Musik leben zu können. Dennoch wünscht man sich doch als Fan und unbeteiligter Zuschauer immer diesen einen neuen unabhängigen Star. Womöglich bloß Underdog-Romantik? Es ist doch wie im Fußball: Ein junger, talentierter Spieler liefert eine gute Halbrunde ab, und schon zerrt der große FC Bayern München an ihm. Dann heißt es in den Männerrunden auf Sport1 immer: Bloß kein verfrühter Wechsel! Erst einmal ein paar Jahre abseits des Medienrummels Erfahrungen sammeln! Den Druck wird er nicht standhalten! Machmal mag das stimmen. Manchmal aber eben auch nicht.

Alles nur Underdog-Romantik

Joshua Pepe könnt jedenfalls schon ganz bald beim FC Bayern der Musik unter Vertrag kommen. So postete er am 24. Februar ein kurzes Video in seine Instagram-Story direkt aus dem Warner-Music-Office. „Herzlich Willkommen, Joshua Pepe! Schön, dass du da bist“, prangt an einer LED-Wand der ausladenden Bürofläche. Man kann Pepes Aufregung und das zufriedenen Gewinner-Grinsen der Label-Chefs förmlich spüren. Und der Romantiker in einem schreit: Tu es nicht! Zu absehbar sind die nächsten Feature-Songs mit Nina Chuba, Jassin und Provinz. Andererseits: So lässig wie Joshua Pepe ist lange kein Newcomer mehr daherkommen, Wien bringt nun mal selten Schlechtes hervor, sein Sound klingt jetzt schon so leichtfüßig und doch hittig, man wüsste gar nicht, was ein Major daran verändern wollen würde, und: Wer sollte einem jungen Künstler schon verübeln, Erfolg mit seiner Musik haben zu wollen?

 

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