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TV-Tipp: Arte-Schwerpunkt „Museen und Kolonialismus“

„Die Wilden“ in den Menschenzoos
Still aus „,Die Wilden‘ in den Menschenzoos“.Foto: Groupe de recherche Achac

Selbst Kritiker:innen des europäischen Kolonialismus machen für Museen gern mal eine Ausnahme. Diese sind immerhin Orte des Wissens und des kulturellen Austauschs. Und wenn Forscher:innen in der Vergangenheit Kulturgüter aus fernen Ländern nach Europa, die USA oder an andere Orte gebracht haben, lag zumeist echtes wissenschaftliches Interesse zugrunde. Und doch handelt es sich auch dabei um einen Teil der kolonialistischen Ausbeutung. Das krasseste Beispiel: das historische Austellen von Menschen aus anderen Kulturkreisen. Aber auch jenseits dessen gab es einige Arten, wie sich europäische Institutionen an Kontinenten wie Afrika oder Asien bereichert haben. Arte zeigt zu dem Thema an diesem Themenabend drei Dokumentationen hintereinander.

„,Die Wilden‘ in den Menschenzoos“ setzt sich mit dem Phänomen der sogenannten Völkerschauen auseinander. Hierbei wurden zwischen 1810 und 1940 Menschen wie wilde Tiere ausgestellt – in Europa, in den USA, in Japan. Mehr als 35 000 Männer, Frauen und Kinder, schätzt man heute, wurden als exotische „Wilde“ inszeniert. Sie stammten aus Afrika, Südamerika, Australien oder anderswo. Damit sollte die Neugier des Publikums befriedigt, aber auch ein rassistisches Modell der Menschheit illustriert und damit Kolonialismus gerechtfertig werden. Die Dokumentation folgt dem Leben von sechs auf diese Art öffentlich zur Schau gestellten Menschen.

In den beiden folgenden Filmen geht es um Raubkunst. So behandelt „Restituieren? Afrika fordert seine Kunstschätze zurück“ die vielen über Jahrhunderte aus Afrika gestohlenen Kulturgüter, die in Europa zum zentralen Bestandteil der Museen geworden sind. Seit langem fordern afrikanische Staaten die Rückgabe, doch konkrete Schritte gibt es größtenteils erst seit 2018. Damals haben die Wissenschaftler:innen Felwine Sarr und Bénédicte Savoy einen einflussreichen Bericht verfasst – auf Anweisung des französischen Präsidenten.

„Von Dakar nach Dschibuti – Große Beute für das Musée de l’homme“ folgt einer historischen Expedition im Jahr 1931. Eine französische Gruppe junger Ethnografen ist damals nach Afrika gereist, um Ausstellungsstücke für ein Pariser Museum zu sammeln. Mit dabei war auch Schriftsteller Michel Leiris, dessen aufrüttelnder Bericht seiner Erlebnisse später die Ausbeutung dieser Praxis aufzeigen sollte.

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