FILM

TV-Tipp: „Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders“

Wie macht man Unsichtbares sichtbar? In Patrick Süskinds Besteller geht es um die Magie der Düfte, um einen Mann mit absolutem Geruchssinn. Tom Tykwer gelingt es, das in Bilder umzusetzen: Ein Stakkato schneller Schnitte zeigt die Geruchsquellen auf dem Pariser Markt, lange Kamerafahrten folgen den verschlungenen Wegen der Duftmoleküle auf einer sommerlichen Wiese.

Trotz 50-Millionen-Budget, dick aufgetragenem Orchestersoundtrack und Starauftritt von Dustin Hoffman: Dieser Film trägt Tykwers Handschrift. Die Geschichte des Außenseiters Grenouille (Ben Whishaw), der im Frankreich des 18. Jahrhunderts Mädchen wegen ihres Geruchs tötet, erzählt Tykwer als bildgewaltigen Kostümfilm. Selten zuvor wurde die Armut des Volkes so schonungslos, so dreckstarrend inszeniert, selten sah man die Feste des Adels so farbenprächtig in Szene gesetzt.

Es sind starke Bilder, die Tykwer baut, doch vergisst er darüber im Mittelteil des Films die Dramaturgie – die Handlung tritt auf der Stelle, das Psychogramm bleibt unscharf. Auch, wenn Whishaw entrückt in die Kamera starrt und die Nasenflügel bläht – so nah wie im Buch kommen wir dem genialen Mörder nie. Erst zum Finale, als Grenouille gefasst wird und sich mit Hilfe seines Parfums vom verfemten Mörder in den Messias verwandelt, findet der Film mit Aufnahmen einer irritierend zärtlichen Massenorgie zu alter Stärke zurück.

Text: Alexander Meyer

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