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TV-Tipp: „Robert Altman’s Last Radio Show“

Robert Altman’s last Radio Show
© Powdermilk Pictures LLC

„Der Tod eines alten Mannes ist kein Drama“, heißt es in Robert Altmans letztem Film. Ein greiser Countrysänger entschläft sanft in seiner Garderobe, während er bei Kerzenschein und in Boxershorts auf den Besuch seiner Frau wartet. Doch trotz liebenswert absurden Szenen wie dieser: Als Komödie geht das Vermächtnis des im November verstorbenen Regisseurs („Short Cuts“) nicht durch.

„Robert Altman’s Last Radio Show“ ist eine nostalgische Nummernrevue mit großartigen Schauspielern: Meryl Streep und Lily Tomlin agieren als singendes Schwesternpaar. Woody Harrelson ist Teil eines kalauernden Hillbilly-Duos, für das jeder Song nur eine Ausrede ist, so viele dreckige Witze wie möglich zu reißen. Kevin Kline führt als Sicherheitsmann durch die Handlung und verfolgt dabei einen gefährlich attraktiven Engel.

Doch unter ihrer exaltierten Fröhlichkeit atmet die Geschichte um den letzten gemeinsamen Auftritt eines Radioshow-Ensembles Melancholie und Tragik. Ästhetisch kleidet Altman das in Neo-Film-noir-Bilder – nicht umsonst nennt der Möchtegerndetektiv und Erzähler sich Guy Noir. Doch Altman kleistert sie nicht mit der Ernsthaftigkeit und dem Pathos eines Wim Wenders zu. Er versteht es, jede Situation ironisch zu brechen. Altman macht dabei im Verlauf seines grandiosen Films keinen einzigen Fehler und findet die perfekte Balance zwischen Lachen und Weinen, zwischen Liebe zu seinen Figuren und berechtigtem Spott. Ein würdiger Abschied für einen großen Meister der Filmkunst. (kab)

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